Musik

Zum Artikel "Von rotzigen Rebellen zum rollenden Museum" und dem Pro und Kontra zu den Rolling Stones (TV vom 12. Juli):

Dem Artikel von Jörg Pistorius kann ich nur voll und ganz zustimmen. Was mich aber gewaltig stört, war die Kontra-Kolumne von Frank Jöricke. Er bezeichnet die Rolling Stones als großen Rock \'n\' Roll-Schwindel und meint, es wäre besser gewesen, wenn die Band sich schon vor 40 Jahren aufgelöst hätte. Als Grund nennt er die fehlende Wut der Bandmitglieder. Wer sagt denn, dass Jagger und Richards keine Wut mehr haben? Es gibt heute - mehr denn je - Gründe, um sehr wütend zu sein! Zum Beispiel: über die Eurokrise samt raffgieriger Investment-Banker und unfähiger Politiker, über pädophile Priester, die von der Kirche auch noch geschützt werden, über hohe Spritpreise und unersättliche Ölkonzerne, über einen desolaten Verfassungsschutz, über Sepp Blatter und seine dubiose Fifa, über unsere maroden Straßen oder auch nur über den beschissenen Sommer. Man kann über sehr viele Themen gute Musik machen. Das zeigt auch ein anderer "älterer Herr", nämlich Udo Lindenberg, der auch viele gesellschaftskritische Themen aufgreift. Als Beispiel nur eine Zeile aus dem Lied No Future: "Vergeblich all die Bücher der Dichter und Philosophen, es regieren uns immer noch die Ganoven." Udo ist mit 66 Jahren so erfolgreich wie nie zuvor! Aus vielen Gesprächen mit ihm weiß ich, dass Udo noch viel zu sagen hat. Oder Wolfgang Niedecken, auch schon 61. In dem Lied "Noh Gulu" schildert er den Bürgerkrieg und das Massaker in einem afrikanischen Land aus der Sicht zweier Kinder. Ich glaube, als Niedecken dieses Lied schrieb, hatte er verdammt viel Wut im Bauch. Ein zwingender Grund, warum es die Stones, Udo und BAP auch weiter geben muss, ist: Ich bin mit ihnen groß geworden, sie gehören zu meinem Leben. It\'s Only Rock ‘n\' Roll (but I like it)! Ach ja, dann fragt Herr Jöricke noch, warum es die Toten Hosen eigentlich noch gibt. Antwort: Sie sind immer noch gut und außerdem das einzig Positive, was Düsseldorf zu bieten hat. Dazu zwei Zitate von Jörg Pistorius im Volksfreund. Am 5. Juli über Rock am Ring: "Was Campino und Co präsentierten, schlägt (…) die anderen Topacts des Festivals klar." Am 22. Juni empfiehlt Pistorius den Hosen-Kritikern: Sie "täten sehr gut daran, die Klappe zu halten. Sie haben offensichtlich keine Ahnung, worum es geht. Nicht nur im Bezug auf die Toten Hosen, sondern auch auf das Musikgeschäft überhaupt." Noch Fragen? Herbert Blum, Ormont