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Auto: Mythos kontra Realität

Auto : Mythos kontra Realität

Zur Berichterstattung über Elektromobilität schreibt Edwin Klein:

Laut Hersteller benötigen gängige Elektroautos rund 15 kWh Strom pro 100 Kilometer. Ermittelt unter Bedingungen, die mit dem realen Straßenverkehr fast nichts zu tun haben: auf Rollen, tiefe Geschwindigkeiten und sanfte Beschleunigung. Scheinwerfer und andere Energieverbraucher sind ausgeschaltet, Fahrtwind gibt es im Labor auch keinen. Tüv Süd ermittelte 2014 bei 23 Grad und ohne Nebenaggregate den realen Verbrauch mit im Schnitt 31 kWh Strom für 100 Kilometer, das Doppelte der Herstellerangaben.

Folgende Faktoren erhöhen den Stromverbrauch und reduzieren die Reichweite: Unter null Grad beträgt Batterieverlust 30 Prozent und mehr, Verluste beim Laden (Wuppertal Institut)  zehn bis 30 Prozent und bei tiefer Außentemperatur bis 50 Prozent, Heizung im Winter und Klimaanlage im Sommer zehn bis 25 Prozent. Laut Tüv Süd müssen demnach real mindestens 50 kWh Strom bereitstehen, damit ein Elektroauto 100 Kilometer weit fahren kann, über dreimal so hoch wie von den Herstellern angegeben.

Die Herstellung der Batterien ist sehr energieintensiv, müssen zudem nach sechs bis acht Jahren ersetzt werden, was bei einer durchschnittlichen Nutzung des Fahrzeugs ein Mehr 15 kWh pro 100 Kilometer Fahrt entspricht.

Batterien enthalten zudem hochgiftige Stoffe, von denen auch bei konsequentem Recycling ein Teil entsorgt werden muss. Lithium ist ähnlich toxisch wie schwach bis mittel radioaktive Stoffe. Für 100 Kilometer Elektrofahrt kommen darum mindestens 3,5 kWh Endlagerungskosten dazu. Insgesamt beträgt der Energieaufwand für 15 KW/h Elektroautos somit etwa 70 kWh pro 100 Kilometer. Bei 30 Eurocent pro KWh und verglichen mit einem neuen Diesel mit sechs Litern Verbrauch ist das Elektroauto (21 Euro pro 100 Kilometer zu Diesel mit 10 Euro pro 100 Kilometer) mehr als doppelt so teuer. Energieverschwendung der Extraklasse, bei Preisen für Neufahrzeuge, die mindestens 10 000 Euro über vergleichbaren konventionellen liegen. Geladen mit dem deutschen Ökostrommix (Agora) produziert somit ein 15 KWh E-Auto per km (bei 400 Gramm CO2 pro KW/h Strommix) 280 Gramm CO2, während ein Diesel auf weniger als 150 Gramm  CO2 kommt. Alle VW-Golf auf Elektro umgestellt würde die gesamte Weltproduktion von circa 130 000 Tonnen  an Kobalt – überwiegend „wild“ abgebaut im Kongo von Kindern – benötigen. Pro 1000 Tonnen sterben mindestens zehn Kinder.

Die gute Nachricht zuletzt: Mehr als 90 Prozent aller zur Batterieherstellung benötigten Rohstoffe wie seltene Erden und Kobalt befinden sich unter chinesischer Kontrolle. Dadurch werden die Batterien immer billiger. Oder etwa nicht?

Edwin Klein, Saarburg