NATUR

Zum Leserbrief "Romantik im Kuhstall" (TV vom 12. November):

Erschütternd! Dieser Leserbrief ist symptomatisch für die Saturiertheit der Gesellschaft, in der sich immer obskurere und bizarrere Minderheiten anschicken, die moralische Meinungsführerschaft zu erheben. Hier wird in geradezu unerträglicher Weise auf der Berufsehre einer jungen Frau herumgetrampelt und das alles in der grotesken Anmaßung, für die Rechte von Tieren einzutreten. Seit Jahrtausenden hält der Mensch Nutztiere, um sich von ihnen oder von ihnen gewonnenen Erzeugnissen zu ernähren. Man kann über bestimmte Arten von Tierhaltung streiten, grundsätzlich ist sie jedoch nicht zu kritisieren. Tiere sind Lebewesen und haben unseren Respekt verdient, was sie aber nicht verdient haben und wovor man sie schützen muss, sind Menschen wie die Autorin dieses Leserbriefs. Zu ihren veganen Zutaten möchte man ihr guten Appetit wünschen, aber sie soll um Himmels willen ihre Mitmenschen mit dem moralischen Zeigefinger verschonen. Peter Müller, Kordel Frau Doktor will eben mal die Welt retten, muss aber (hoffentlich) vorher noch gefühlte 148 empörte Leserbriefe checken. Denn etliche ihrer Behauptungen mögen zwar der Dramaturgie ihres Leserbriefes förderlich sein, ihr Wahrheitsgehalt erreicht aber nur Märchenniveau. Ein Beispiel (sinngemäß): Der Konsument stiehlt dem Kalb die Milch. Dies ist eine polemische Blüte, die Wahrheit aber ist: Ein Teil der abgelieferten Milch wird zu Milchpulver verarbeitet und gelangt - aufgewertet - zurück zum Kalb. So, jetzt hoffe ich, Frau Doktor, Ihre reißerische Massenvernichtungskampagne von bäuerlichen Existenzen lässt Sie nachts noch ruhig schlafen. Detlef Fey, Gilzem Da kann man nur sagen: Auch ein Doktortitel schützt vor Dummheit nicht! Heinz Hens, Landwirtschaftsmeister, Niederehe Frau Rech geht von einer Zahl aus, die nicht korrekt ist. Eine Kuh hat nicht nur 4,5 Quadratmeter Platz. Ein moderner Stall hat neben den Liegebereichen auch Laufgänge, einen Wellnessbereich, die Wartebereiche vor den Melkständen. Die Kühe können heute sehr wohl ihre Rangordnungen ausleben. Ihre Argumentation kreist um die Situation der 60er und 70er Jahre. Besuchen Sie doch mal einen modernen Milchviehbetrieb! Die Tiere sind ruhig, ausgeglichen und zufrieden. Sie sind kräftig, gesund und fühlen sich wohl. Bitte diskreditieren Sie nicht die Berufe anderer Menschen. Es steht Ihnen frei, weiter Ihre Soja- und Mandelmilch zu trinken. Ich bleibe lieber bei meiner allmorgendlichen guten Tasse Kuhmilch. Herbert Netter, Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, Koblenz