Auto : Nebelkerzen

Zur Berichterstattung über die Diesel-Krise und Fahrverbote sowie zu den Artikeln „Warum Lungenfachärzte an den Feinstaub-Grenzwerten rütteln“ (TV vom 24. Januar) und „Zweifel an den Grenzwerten“ (TV vom 25. Januar) schreibt Norbert Bogerts:

Wenn Lungenfachärzte Gesundheitsschäden durch Dieselabgase bestreiten, kommt mir das irgendwie bekannt vor. Gab es nicht auch „Experten“, die den Klimawandel leugneten oder die Gesundheitsgefahren beim Rauchen? Später stellte sich heraus, dass Tabak- und Erdölkonzerne wissenschaftliche „Kronzeugen“ finanzierten, um wissenschaftlich erwiesene Fakten anzuzweifeln. Auch die deutsche Autoindustrie finanzierte lange ein eigenes Forschungsinstitut, um den Diesel zu entlasten, bis es aufgrund der Affäre mit den Affenexperimenten aufflog.

LobbyControl hat mittlerweile herausgefunden, dass der Lungenprofessor, der die Debatte losgetreten hat, nicht alleine handelte, sondern mit einem Kollegen und zwei Verkehrs- und Motorenforschern, die der Automobilindustrie sehr nahe stehen. Wäre auch das bekanntgegeben worden, hätten ihre Aussagen sicher kein so großes Echo gefunden.

Obwohl es sich also bei der vermeintlichen „Ärzterevolte“ um Nebelkerzen handelt, ist der angerichtete Schaden nicht unbeträchtlich.

Wenn zum Beispiel der verantwortliche Minister die „Revolte“ als Ablenkungsmanöver in der Diesel-Debatte nutzt und auch den Vorschlag eines generellen Tempolimits auf Autobahnen „als gegen jeden Menschenverstand“ bezeichnet, weil er sich im Interesse der Automobilindustrie gegen die Dieselnachrüstung aus­spricht, sollte man sich bezüglich seines Verstandes fragen, ob man dessen Zustand nicht am besten charakterisiert, indem man seinem Namen ein „be“ vor- und ein „t“ nachsetzt. Aber vielleicht agiert er doch rational, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass 80 Prozent der Partei-Großspenden der deutschen Automobil­industrie an die Union und die FDP gehen. Dazu passt natürlich auch, dass die Union der deutschen Umwelthilfe Gemeinnützigkeit und Klagerecht entziehen will, womit sie sich selbst in die Nähe des polnischen oder ungarischen demokratie­gefährdenden Rechtsstaatsverständnisses rückt.

Bei allem Verständnis für betroffene Dieselbesitzer bleibt zu wünschen, dass auch sie sehen, wo der Bock zum Gärtner gemacht wurde. Sie sollten nicht nachlassen, sich für eine kostenlose Nachrüstung ihrer Autos durch die lügnerischen Krisen­verursacher stark zu machen.

Norbert Bogerts, Welschbillig