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Atomenergie: Neuer Film, alte Erkenntnis

Atomenergie : Neuer Film, alte Erkenntnis

Zum Artikel „Super-Gau lässt Luxemburg verschwinden“ (TV vom 22. April) schreiben Brigitte Hansen und Karl-W. Koch:

An der Doku-Fiction lässt sich sicherlich einiges kritisieren, ganz gewiss aber nicht, dass die französische Seite nicht zu Wort kommt. Die kommt schon viel zu oft zu Wort, auch im Volksfreund, wo noch am 10. März exakt im EDF-Sprech genau diese Sichtweise verbreitet wurde, nämlich dass Cattenom für einen längeren Betrieb „fit gemacht“ werde. Zu kritisieren ist eher, dass der Schwerpunkt leider auf die Existenz des Landes Luxemburg gelegt wurde und nicht auf das menschliche Leid, das mit einem Super-Gau in Cattenom unweigerlich verbunden wäre. Im Filmteil waren denn auch keine toten, geschweige denn verstrahlte Menschen zu sehen. Da saßen dann Jahre später die nach wie vor geschniegelten und gebügelten Luxemburger Flüchtlinge in Lagern, in die Flüchtlinge aus den Lagern in Griechenland sicher gerne sofort einziehen würden …

Wer sich vorstellen will, welches Schicksal im Falle eines Super-Gaus in Cattenom der gesamten Bevölkerung der Saar-Lor-Lux-Region drohen könnte, möge sich die Serie „Tschernobyl“ ansehen. Danach kann man sich vielleicht auch vorstellen, was man sich in dieser Doku-Fiction über Cattenom nicht getraut hat vorzustellen, nämlich beispielsweise, dass die flüchtenden Luxemburger an den Grenzen abgewiesen werden, weil niemand diese Verstrahlten im Land haben will und man sich ja schon um die Umsiedlung und gesundheitliche Versorgung der Saarländer und Rheinland-Pfälzer kümmern muss.

Brigitte Hansen, Trier

Als Betroffener habe ich das natürlich auf dem Schirm gehabt: Interessant, realistisch und erschreckend (für alle, die sich mit der Gefahr von Cattenom noch nicht vertraut gemacht haben). Mein Wohnort liegt etwa so weit von C. entfernt wie Mittelluxemburg, dummerweise in der Hauptwindrichtung Südwest. Im Fall eines

INES-7-Ereignisses wie Tschernobyl oder Fukushima (es gibt Erdbeben und Hochwasserereignisse in der Region, auf beides ist C. nicht ausreichend vorbereitet) wäre das Moseltal komplett, das Rheintal ab Koblenz vermutlich bis hinter Köln und die Eifel in großen Teilen für Jahrzehnte nicht bewohnbar. Cattenom liegt nicht am Meer, was sowohl bei der Windrichtung als auch bei der Abwasserbeseitigung das Problem gegenüber Fukushima gewaltig vergrößert. Nebenbei: für Immobilienbesitzer gibt es keinen Versicherungsschutz dagegen, die Unternehmen können offenbar gut rechnen! Interessant war die Info, dass in Lux Jodtabletten in jedem Haushalt lagern. In der Eifel mussten wir etliche Jahre darum kämpfen, dass diese in der Region vorgehalten werden. Bis vor wenigen Jahren waren sie in Saarburg gelagert, im Fall einer Katastrophe hätten die Betroffenen in die radioaktive Wolke fahren müssen, um die Tabletten zu holen.

Neuer Film, alte Erkenntnis: Der Betrieb von Cattenom ist unverantwortlich und muss umgehend beendet werden. Frankreich wird dies nicht tun ohne Zwang von außen, da es seine Atomwaffen quer finanzieren und die Infrastruktur für Anreicherung auslasten muss.

Karl-W. Koch, Fachbuchautor Störfall Atomkraft, Mehren