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leserbriefe
Neutral berichten, nicht Scharfrichter spielen

Zum Kommentar „Rechter Theoretiker mit rotem Parteibuch“ (TV vom 31. August) schreibt Michael Geörger:

„Viel Meinung für so wenig Ahnung“, sei Werner Kohl Kolhoff zu seinem Kommentar über Thilo Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“ zugerufen. „Ach, wäre es schön“, wenn Journalisten ein Buch zur aktuellen Diskussion erst einmal lesen würden und nicht im Voraus den Scharfrichter spielen würden. Wenn sie wieder mehr neutral berichten würden anstatt ihre persönlichen Ressentiments (und Parteimitgliedschaften?) zu hätscheln. Nur wenn man Probleme offen aufzeigt, kann etwas verbessert werden. Soll in Deutschland über Folgendes nicht diskutiert werden?

Sarrazin schreibt, Flüchtlinge müssten möglichst in der Nähe ihrer ursprünglichen Lebensgebiete versorgt werden. Die Ankunft von Flüchtlingen in Europa müsse verhindert werden, um Asylmissbrauch zu unterbinden. Boote im Mittelmeer sollten aus seiner Sicht an ihren Ausgangspunkt zurückgebracht werden. Illegale Einwanderer und in Deutschland abgelehnte Asylbewerber will Sarrazin „unverzüglich und ausnahmslos“ abschieben.

Der Anteil der Muslime in Deutschland werde in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen. Gleichzeitig sorge der rückständige Islam, den die Mehrheit der Muslime praktiziere, dafür, dass es kaum gelungene Integration und zu wenig Deutschkenntnisse gebe. Die nachfolgenden Generationen der Muslime hätten im Durchschnitt eine schlechtere Schulbildung, wenig wirtschaftliche Erfolge und eine höhere Kriminalität. Zudem seien sie wenig aufgeschlossen für Demokratie und Gleichberechtigung.
Der Islam behindere in seiner bei der Mehrheit der Muslime praktizierten konservativen Ausrichtung freiheitliches Denken, Gleichberechtigung, Geburtenkontrolle, wirtschaftlichen Erfolg und Integration. Liberale Muslime seien eine „winzige, hoffnungslose Minderheit“. Daher seien die islamischen Staaten im Durchschnitt rückständig im Vergleich mit der westlichen Welt in Bezug auf Wirtschaft, Bildung, Kultur und Demokratie. Gleichzeitig wiesen sowohl muslimische Staaten als auch die muslimischen Gruppen in Europa ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum auf.

Muslime stellten zudem einen Großteil der aktuellen Einwanderer nach Europa. Wegen der Größe muslimischer Gruppen, der Abschottungstendenzen, der Rückständigkeit und Intoleranz des konservativen Islams gelinge die Integration schlechter als etwa bei Osteuropäern und Asiaten.

Michael Geörger, Minderlittgen

Anm. d. Red.: Korrespondent Werner Kolhoff hat (auch) das neue Buch von Thilo Sarrazin gelesen.