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Gesundheit: Nicht nachvollziehbar

Gesundheit : Nicht nachvollziehbar

Zum Artikel „Den Fitnessstudios geht die Puste aus“ (TV vom 24. November) schreiben Karl Heinz Bechtel, Markus Biehl und Jürgen Teusch:

Was in dem Beitrag total vergessen wurde, ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die aus gesundheitlichen Gründen ein Fitnessstudio besuchen, nicht um Muskeln aufzubauen, sondern auf ärztlichen Rat hin, um körperlich fit zu werden und die Beschwerden zu lindern. Ich besuche seit zwei Jahren ein Studio in Bernkastel-Kues aus diesem Grund und kann nur Besserungen verzeichnen. Man kann durch Hanteltraining doch nicht alle Probleme abfangen, außerdem hat man keine fachgerechte Anleitung und Kontrolle. Ich kann dem Betreiber nur bescheinigen, dass seit Ausbruch der Pandemie alles erdenklich Mögliche getan wurde, Ansteckungen zu vermeiden. Das ist in solch schwieriger Situation doch selbstverständlich. Die Begründung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer kann ich nicht nachvollziehen. Im Studio kann man selbstverständlich eine Maske tragen. Ich habe noch keine Studie gelesen, dass in Fitnessstudios verstärkt Ansteckungen vorgekommen sind. Wenn man Einrichtungen schließt, sollten Hilfen gewährleistet sein, und das schnell und unbürokratisch. Nicht nur die „Großen“ brauchen Unterstützung, sondern erst recht die „Kleinen“, denn auch sie zahlen Steuern und Abgaben.

Karl Heinz Bechtel, Bernkastel-Andel

Der Artikel beschreibt die finanziellen Nöte der Fitnessstudio-Betreiber, ausgelöst durch die wiederholten Lockdown-Phasen während der Corona-Pandemie. Die andere Seite, nämlich die Nutzer der Fitnessstudios, wird leider nur am Rande erwähnt. Außenstehende mögen vielleicht der Meinung sein, es handele sich bei Besuchern von Fitnessstudios um Muskelprotze, die schwere Hanteln schwingen und Kraftfutter in sich hineinstopfen. Diese Gruppe gibt es; sie dürfte aber nur einen sehr geringen Teil der Nutzer ausmachen.

Die meisten Menschen, die Fitnessstudios besuchen, tun dies ihrer Gesundheit zuliebe, in sehr vielen Fällen, weil sie von Ärzten (Kardiologen, Orthopäden) ausdrücklich dazu aufgefordert werden. Für viele dieser Menschen stellt der Besuch des Fitnessstudios die einzige körperliche Betätigung oder auch den einzigen mentalen Ausgleich im Laufe einer möglicherweise harten Arbeitswoche dar.

Gerade in den kalten Herbst- und Wintermonaten, wenn der Spaziergang oder die Radtour nach Feierabend kaum möglich ist, sind Fitnessstudios für viele Menschen gewissermaßen lebensnotwendig. Daher kann ich die Schließung von Fitnessstudios, die im übrigen allesamt sehr gute Sicherheitskonzepte entwickelt haben, nicht nachvollziehen. Diese Schließung richtet mehr Schaden an als Nutzen zu bringen.

Markus Biehl, Pluwig

Ergänzend zu dem Leserbrief „Entscheidung ohne Vernunft und Weitsicht“ (TV vom 21./22. November) von Bernd Benninghoven, dem ich voll zustimme, möchte ich auf eine weitere Entscheidung kritisch aufmerksam machen: die Schließung der Fitness-Studios. Ende August habe ich mich in Wittlich, nach umfangreicher Knie-OP, in einem Studio angemeldet, um auch nach der Reha weiterhin Aufbautraining und auch Fitness-Training betreiben zu können. Das Studio verfügte im August schon über ein sehr gut geplantes Hygiene-Konzept. Eingang/Ausgang, Lüftung, Laufwege, Desinfektionsspender, Papierhandtücher, Maskenpflicht – alles bestens geplant und organisiert. Die Dokumentation über „Besuchszeiten“ war über die Mitgliedskarte beim Check in/out problemlos nachzuverfolgen. Auf circa 900 Quadratmetern waren während meiner Anwesenheit im Schnitt sechs bis maximal zehn Sportler aktiv. Auf dieser großen Fläche war es kein Problem, sich nicht „in die Quere“ zu kommen. Vergleiche Baumarkt!

Über den gesundheitsfördernden Aspekt des regelmäßigen Trainings kann man ja genug nachlesen. Ich kann die Schließung des Studios nicht nachvollziehen. Vielleicht dann, wenn man total überfüllte und unkontrollierte Sportstätten aus Großstädten als Maßstab nimmt, nach dem Motto „alles über einen Kamm scheren“. Eine Schließung hätte man sicher mit zusätzlichen Auflagen vermeiden können, wie wahrscheinlich auch in der Gastronomie.

Jürgen Teusch, Wittlich