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Landwirtschaft: Nicht nachvollziehbare Doppelmoral

Landwirtschaft : Nicht nachvollziehbare Doppelmoral

Zu unserem Artikel „Trumps Rindfleisch schmeckt Eifeler Bauern nicht“ (TV vom 17. August) meint Thomas Thiel, Nattenheim:

Ich bewirtschafte zusammen mit meinem Bruder einen Rindermastbetrieb in der Eifel. Bei unserer Bewirtschaftung legen wir Wert auf kurze Transportwege. Deshalb beziehen wir unsere Tiere von einem regionalen Milchviehhalter, der speziell für uns eine Mastkreuzung einkreuzt. Somit werden die hohen Qualitätsansprüche der deutschen Verbraucher erreicht.

Der Betrieb erzeugt den weit überwiegenden Teil des Futters selbst. Nach der Mast bringe ich die Tiere selbst – möglich schonend – zum regionalen Schlachthof nach Prüm, wo diese dann geschlachtet werden.

Der Verbraucher kann das Fleisch später auf dem Grill genießen.

Wir veredeln die Grasaufwüchse in Rindfleisch und bieten dem Verbraucher ein schonend hergestelltes regionales Produkt. Ich finde diesen regionalen Kreislauf gut, dieser wird aber oft nicht wertgeschätzt.

Ich kann es nicht verstehen, dass es von der Gesellschaft und der Politik akzeptiert wird, Rindfleisch über mehrere Tausend Kilometer zu transportieren. Dass die Tierschutz- und Umweltstandards oder der Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen ganz andere sind, wird hier außer Acht gelassen.

Wie können wir sicher sein, dass das importierte Rindfleisch unter den gleichen Bedingungen wie in der EU erzeugt wurde? In den USA und auch in Südamerika wird unter ganz anderen Bedingungen erzeugt als hier. Dort sind wachstumsfördernde Hormone zugelassen. Die Tiere werden in sogenannten Feedlots gehalten und nicht auf Weiden. Die Vorgaben hinsichtlich des Einsatzes von Gentechnik sind völlig anders.

Es droht der Ausverkauf der heimischen Rindfleischerzeugung: Diese Handelsvereinbarungen bedeuten in der Summe erhebliche Wettbewerbsnachteile. Der Discount hat in den letzten Wochen scheinbar die deutsche Rindfleischerzeugung aufgegeben. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Handelsketten mit südamerikanischem und amerikanischem Fleisch große Werbungen schalten?

Diese Doppelmoral ist für mich nicht nachvollziehbar und wird den heimischen Wirtschaftskreislauf erheblich schädigen.