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Leserbrief
Nicht überraschend

Wasserschutzzonen

Zum Artikel „Die Rinder müssen umziehen“ im TV vom 27. Juli schreibt dieser Leser:

Die Umstellung von Stallhaltung auf Weidetierhaltung durch Andrea Keller, Besitzerin des Römerhofes, kann im Sinne einer artgerechten Tierhaltung nur begrüßt werden. Verständlich ist die Aufregung, wenn die strengen Auflagen der neuen Rechts-verordnung für die Wasserschutzzone II es zukünftig nicht mehr zulassen, einige Weiden für die Rinderhaltung zu nutzen und Gülle aufzubringen. Allerdings gibt es die Möglichkeit, Entschädigung bei Einschränkung der Nutzung zu beantragen.  Bereits seit 1982 besteht das Wasserschutzgebiet um den Brunnen „Böffjes Wies“. Nach über 30 Jahren sind Umfang und Notwendigkeit des Wasserschutzgebietes neu festzusetzen, wobei das aktuelle Wassergesetz strengere und eindeutigere Verbote und Nutzungsbeschränkungen zum Schutz des Grundwassers vorsieht: Es muss gesichert sein, dass keine krankheitserregenden Keime in den Brunnen gelangen. Dafür wird durch Bohrungen eine Linie ermittelt, von der aus das Grundwasser etwa 50 Tage bis zum Eintreffen in den Brunnen benötigt. Die hydrogeologischen Untersuchungen sind die Grundlage für die Abgrenzung der Wasserschutzzone II. Bei Verschmutzung drohen kostenintensive Aufbereitung und Reinigung des Wassers. Die Kosten hat der Verbraucher über den Wasserpreis zu tragen. Überraschend kommt das alles jedoch nicht: Die Aussage von Marco Weber, im April sei das Wasserschutzgebiet neu vermessen worden und praktisch wie mit einem Zirkel die Fläche bestimmt worden, trifft nicht zu. Als FDP-Landtagsabgeordneter und führender Bauernfunktionär müsste auch ihm bekannt sein, dass das Neufestsetzungs- verfahren bereits seit 2016 läuft, bereits Ortstermine mit Betroffenen und Behördenvertretern stattfanden und öffentliche Auslage und Anhörung noch folgen werden. Aus dem Brunnen „Böffjes Wies“ werden jährlich zwischen 75 000 und 100 000 Kubikmeter Wasser hoher Güte gewonnen, das sind etwa zwölf Prozent der gesamten Fördermenge an Trinkwasser im Bereich der Obere Kyll.

Wir alle sind betroffen und sollten uns bewusst sein: Trinkwasser ist lebensnotwendig, das wichtigste Grundnahrungsmittel und kann nicht ersetzt werden. Der Schutz des Trinkwassers und ein einwandfreier Zustand des Trinkwassers sind in unser aller Interesse.

 Werner Grasediek, Steffeln