Nicht zum Nulltarif

Zum Thema "Umgang mit Spendengeldern":

Mit welcher Naivität gehen wir an das Thema Spenden für wohltätige Zwecke heran? Auf der einen Seite fordern wir Professionalität im Umgang mit Spenden, auf der anderen Seite verlangen wir aber anscheinend, dass dies ohne einen oder nur geringen Verwaltungsaufwand von Ehrenamtlichen geleistet werden soll. Übertragen auf eine Stadtverwaltung, die unfreiwillige "Spenden" der Steuerzahler erhält, bedeutet dies: Es dürfen keine Personalkosten, Fortbildungskosten, Kosten für Stadtmarke entstehen, keine Berater von außen hinzugezogen werden, um eine Verwaltung weiter zu entwickeln. Stillstand/Rückschritt wäre die Folge. Weshalb dürfen Wohlfahrtsverbände oder Vereine sich nicht auch mit/über Spendengelder(n) Mittel verschaffen, die die Organisation nach vorne bringen und somit ein Vielfaches der Ausgaben für Bürokratie und professionelles Sponsoring wieder an Spenden reinholen? Ist es nicht heuchlerisch aufzuschreien, wenn ein geringer Teil der Spendensumme in Bürokratie (im positiven Sinne) und professionelles Sponsoring gesteckt wird? Dem Spender muss es auch ein Anliegen sein, dass seine Spenden zum einen den Hilfsbedürftigen zugute kommen und gleichzeitig der geringe Teil der Spenden durch professionelles Sponsoring das Spendenaufkommen um ein Vielfaches erhöht. In Zeiten knapper öffentlicher Haushalte und damit verbundenen Streichungen im Budget der Organisationen und Vereine kann man nur dazu raten, solche Wege zu gehen, damit nachhaltig der Bestand der Organisationen beziehungsweise deren Projekte gesichert werden können. Es ist ein Märchen, dass nur die Organisationen, die mit einer Spendenbüchse rumlaufen oder durch Benefizveranstaltungen Spenden eintreiben, Organisationen sind, denen man Geld anvertrauen kann. Ein Umdenken ist auch und gerade in diesem sensiblen Bereich dringend geboten. Professionalität ist nicht zum Nulltarif zu haben. Verwaltungskosten von 15 bis 20 Prozent sind durchaus angemessen und moralisch nicht verwerflich, gemessen an der geleisteten Arbeit der meisten Hilfsorganisationen. Gisela Sommer und Wolfgang Schefter, Üxheim hilfsorganisationen