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Leserbriefe: Nie mehr etwas gehört

Leserbriefe : Nie mehr etwas gehört

Zur Berichterstattung über das Schwarzfahren (TV vom 24. Januar) schreibt Gerhard Lenssen:

Ach ja, die Bahn! Einmal fuhr ich mit Freunden von Boppard nach Bingen mit der „Goethe“ der Köln-Düsseldorfer. Wunderbare Fahrt, kann ich jedem empfehlen. Zurück mit der Bahn. Am Bingener Bahnhof ein großes Schild „Zu verkaufen“, den Bahnhof hätte ich also wohl kaufen können. Nicht aber eine Fahrkarte. Denn der einzige Automat war „out of order“. Allerdings war der Automat in weiser Voraussicht mit einem Schildchen, versehen mit einer Telefonnummer, die man im Störungsfall anrufen sollte. Das genau tat ich. Man fragte mich nach meinem Namen und sagte mir, ich könne jetzt fahren und solle dem Zugschaffner sagen, dass ich mich gemeldet habe, und bei ihm bezahlen könne. Ich sei jetzt kein Schwarzfahrer. Um mich herum standen noch andere Reisewillige, die mich fragten: „Was ist jetzt?“ „Sagen Sie alle dem Zugschaffner, Sie heißen Lenssen und hätten sich gemeldet, dann sind Sie keine Schwarzfahrer!“, empfahl ich ihnen. Bloß, im Zug war kein Zugschaffner zu sehen. Um aber der Bahn ihren verdienten Lohn nicht vorzuenthalten, habe ich zu Hause den Fahrpreis in Briefmarken gekauft und diese an den Bahnvorstand nach Berlin geschickt. Mit dem freundlichen Vorschlag, wenn er mal in Bingen vorbeikäme, doch nach dem Automaten zu sehen. Nie mehr etwas gehört.

Gerhard Lenssen, Bernkastel-Kues