| 15:28 Uhr

Gesundheit
Niemand kann sich vorstellen, wie quälend das Warten ist

Zur Berichterstattung über Organspende schreibt Reinhold Balitzki:

Ich bin 71 Jahre alt, seit 1972 Blutspender, habe seit 2004 einen Organspenderausweis und denke als Dialysepatient häufig über die geringe Organspendenbereitschaft unserer Mitmenschen nach.

Meine Überlegungen führen mich zu dem Ergebnis, dass in unserer immer egoistischer werdenden Gesellschaft eine Verbesserung der Spendersituation auf freiwilliger Basis kaum erreichbar ist.

Die Spendenbereitschaft könnte erhöht werden, wenn ein Organspendergesetz Folgendes regeln würde: Die Entscheidung für oder gegen eine Organ- oder Gewebespende ist freiwillig, die Entscheidung ist auf jeden Fall mit Erreichen des 16. Lebensjahres zu treffen. (Laut gültigem Transplantationsgesetz darf mit Erreichen des 16. Lebensjahres jeder diese Entscheidung selbst treffen.) Die Entscheidung gegen eine Organspende bedeutet den Ausschluss vom Organempfang. Ausgenommen hiervon sind nur Menschen unter 16 Jahren und solche, die aus gesundheitlichen Gründen als Organspender nicht infrage kommen. Dies gilt für jeden deutschen Staatsbürger. Diese Entscheidung muss in einem zentralen Register (zum Beispiel in Verantwortung der Krankenkassen) erfasst werden und für alle Kliniken und Eurotransplant einsehbar sein.

Eine vergleichbare Vorgehensweise bei Blut- und Stammzellenspendern könnte die fehlende Spendenbereitschaft auch hier erhöhen. Wenn unsere Politiker ihren Schwur, zum Wohle des Volkes zu wirken, ernst nähmen, dann müsste auf gesetzlicher Basis etwas geschehen und Gesundheitsminister Jens Spahn endlich etwas bewegen. Was die sich hinziehende Bearbeitung dieses Themas für einen dringend auf ein Spender­organ angewiesenen Menschen bedeutet, kann sich ein noch gesunder Bürger kaum vorstellen. Ich denke hier besonders an früh erkrankte junge Menschen.

Reinhold Balitzki, Weinsheim