Landwirtschaft: Nur billig? Das kann doch nicht sein!

Landwirtschaft : Nur billig? Das kann doch nicht sein!

Zum Artikel „,Bei diesen Fleischpreisen ist mehr Tierschutz eine Utopie’“ (TV vom 27. September) schreibt Uwe Nilles:

Ich gebe Michael Horper vollkommen recht, dass Tierschutz und bessere Haltungsbedingungen Geld kosten. Und es ist auch schön, dass die Verbraucherzentrale mehr Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen fordert. Aber was nützt es, wenn hiesiges, gesundes Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen den Metzgern und Verbrauchern nichts wert ist, und du als Landwirt keine Anerkennung, durch den Preis bekommst?

Ich habe selbst Fleischrinder der Rasse Angus in ganzjähriger Freiland-Weidehaltung (Kleinbetrieb, aber kein Biobetrieb) mit frei zugänglichem Unterstand für die Tiere (von der Geburt bis zum Tag, an dem die Tiere verkauft werden). Das Fleisch dieser Rinderrasse wird in den Restaurants in den Himmel gelobt! Und soll jetzt ja aus den USA importiert werden (das neue Freihandelsabkommen).

Ich bekomme derzeit vom Metzger für Tiere im Alter von 24 Monaten 3,50 Euro das Kilo (ohne Mehrwertsteuer), wohlgemerkt für ein Rind, das sein ganzes Leben draußen auf der Weide verbracht hat! Neun Monate und vier Tage trägt die Kuh das Kalb bis zur Geburt. Dann zieht man es gut 24 Monate unter artgerechten Bedingungen (im Herdenverband) auf, und wo bleibt da die Anerkennung für fast 34 Monate Arbeit des Landwirts?

Es ist meiner Meinung nach niemand mehr, egal ob Metzger oder Verbraucher, bereit, „freiwillig“ für Qualität, Haltung und Respekt im Umgang mit dem Tier zu bezahlen. Egal ob beim Verkauf von Tieren für die Mast oder Zucht: Für weibliche Tiere gibt es 500 bis 600 Euro, für männliche Tiere maximal 800 Euro (die Blauzungenkrankheit – Sperrgebiet hier in Rheinland-Pfalz – tut  ein Übriges). Nur billig muss es sein. Das kann doch nicht sein!

Es ist kein Wunder, wenn bald nur noch US-Steaks in der Kühltheke liegen. Weil es hier keine Landwirte mehr gibt. Da hilft auch das beste Haltungsform-Label nichts!

Für den Klimaschutz gibt es eine Greta, aber wen gibt es für die deutschen Landwirte?

Ich denke, es musste mal in der Art gesagt werde. Mir geht es darum, den Menschen die Augen zu öffnen. Wenn man das Thema in der Öffentlichkeit vorbringt, wird man oft belächelt, und ich finde, das ist sehr schade. Es ist wichtig, es mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Danke!

Uwe Nilles, Serrig

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