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Nur den Fuß daraufgestellt

Nur den Fuß daraufgestellt

Zum Artikel "Klarer Kopf mit Herz" (TV vom 9./10. Januar):

Die Gedankenlücken von Dieter Lintz sind auffällig. Den "späten Grandseigneur" Carl-Ludwig Wagner lässt er zu seinem 80. Geburtstag "schmunzeln" über eine Attacke, die Wagner gemeinsam mit seinem CDU-Kollegen Jenninger im März 1976 gegen Plakate des Grafikers/Künstlers Klaus Staeck geritten hat.

Jenninger und Wagner hatten die Plakate - darunter zwei gegen die Diktatur in Chile und eins mit dem Titel "25 Jahre Menschenrechte - 25 Jahre Folter" - von der Wand gerissen und waren darauf herumgetrampelt (so Helmut Schwickerath im KATZ Jahrbuch 2006).

Der damalige Juso Dieter Lintz weiß das alles sehr genau. Warum er diesen Skandal nicht benennt, ist mir ein Rätsel. Sowohl er als auch der Jubilar lieben die Oper und das Theater. Der eine ist bis heute Vorsitzender des Vereins der Theaterfreunde Trier. Der andere schreibt gar über Kultur beim "Volks-Freund" und spielt als Senator beim Karnevalsverein "Heuschreck" mit. Da gehört "schmunzeln" wohl zum Handwerk.

Norbert Damm, Trier

Anm. d. Red.: Der TV hat den Skandal keineswegs verschwiegen, sondern über den "Bonner Bildersturm" im März 2005 berichtet. Dieter Lintz schrieb damals in einer Personality-Story über Carl-Ludwig Wagner: "War da nicht der Vorfall, als der Jung-Abgeordnete Wagner Mitte der Siebziger in der Parlamentarischen Gesellschaft zu Bonn gemeinsam mit dem späteren Bundestagspräsidenten Jenninger eine Plakat-Ausstellung des linken Polit-Provokateurs Klaus Staeck demontierte? Dieses "Episödchen", wie er es nennt, entlockt ihm heute eher ein Lächeln. Die "Süddeutsche" schrieb seinerzeit, Wagner habe auf einem Plakat "herumgetrampelt", das Franz-Josef Strauß mit blutigem Metzgerbeil abbildete. Dabei habe er "nur den Fuß daraufgestellt, damit der SPD-Kollege es nicht wieder aufhängen konnte", erinnert er sich nach dreißig Jahren. Selbstkritik? Dafür wohl nicht. Da habe er sich "schon mal schlimmer daneben benommen" in seiner langen Politik-Karriere."

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