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Haus und Garten: Ökologisch mausetot

Haus und Garten : Ökologisch mausetot

Zum Artikel „Warum Naturschützer ein Verbot von Schottergärten fordern“ (TV vom 5./6. September) schreiben Isolde Schnorbach und Prof. Dr. Bruno Mödder:

An den Schottergärten kann man erkennen, wie weit sich viele Menschen von der Natur, von dem, was uns ernährt, von der Kenntnis der wechselseitigen Abhängigkeit von Mensch und Natur entfernt haben. Schottergärten stehen für mich symbolisch für die Unwissenheit vieler Menschen über die Wurzeln ihres Seins.

Isolde Schnorbach, Dipl.-Geographin, Trier

Mein Beispiel: Der größte Teil der Flächen um den Neubau der Psychiatrie in Bernkastel-Kues besteht aus angelegten hässlichen Schotterflächen, nur ein kleiner Teil aus wenigen niedrigen Einheitssträuchern. Die ganze Atmosphäre wirkt erschreckend fantasielos und kühl. Zwischen den Steinen erscheinende einzelne Kräuter wurden offenbar als „Pflegemaßnahmen“ entfernt, offensichtlich um das Bild nicht zu stören (hoffentlich nicht mit Glyphosat!). Wenig einladend, dieser Willkommensgruß für Patienten, wenn sie hier eintreffen!

Baden-Württemberg untersagt Neuanlagen von Schotterflächen bei Neubauten und laut TV schreibt die Landesbauordnung Rheinland-Pfalz vor, nicht überbaute Flächen zu begrünen. Als Beweggründe für Schotterflächen werden meist Pflegeerleichterung beziehungsweise Kosten angeführt. Das muss so gar nicht zutreffen. Statt reichlich Schotter aufzufüllen (der auch nicht umsonst war), hätte man auf wenig wertvollen Boden einfach Gräser und einige handvoll Wildblumensamen aussähen und ein paar einheimische Apfelbäume pflanzen können. Auch ähnliche, ebenso kostengünstige Lösungen wären denkbar gewesen, einen aufwendigen, pflegeintensiven Ziergarten hätte man gar nicht gebraucht. Eine wild belassene Wiese (nicht Rasen!), wie blühende Straßenränder einmal im Jahr mit Freischneider gemäht, sowie einige einheimische wilde Büsche oder Bäume dazwischen hätten es getan. Patienten, Besucher und Anwohner hätten sich vielleicht zunächst gewundert, weil so etwas nicht üblich ist, dann aber nach kurzer Eingewöhnung sicherlich gefreut. Wen würden denn einige Vögel, Schmetterlinge oder Bienen wirklich stören? Der derzeitige Zustand des Bereiches um den Neubau ist jedenfalls ökologisch mausetot. Eine für mögliche Zweifler aufgestellte Informationstafel könnte darauf hinweisen, dass ein durchgestylter Kunstgarten ökologisch gar nicht wertvoller ist, eine etwas wildere, scheinbar ungepflegtere Anlage viel besser und deshalb gewollt. Progressiv, innovativ, patienten-orientiert zu sein ist in aller Munde, die Umsetzung fordert aber gelegentlich etwas unkonventionelle Fantasie und Mut. Dies hätte ich den Planern in diesem Fall gewünscht. Der derzeitige Anblick auf die direkte Umgebung des Neubaus ist dagegen ziemlich trostlos, ja sogar abstoßend. Ein solcher Stein-„Garten“ ist der aktive Endpunkt der perfekten Naturvernichtung.

Ob da noch eine Verbesserung oder Neugestaltung möglich ist? Den Krankenhauspatienten ganz besonders möchte ich es wünschen und aus Umweltschutzgedanken wäre es jedenfalls sinnvoll.

Prof. Dr. Bruno Mödder, Bernkastel-Kues