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Gesellschaft und Medien: Oh sorry, es ist ja nur satirisch gemeint

Gesellschaft und Medien : Oh sorry, es ist ja nur satirisch gemeint

Zu den Artikeln „Das Ende vom Lied“ (TV vom 30. Dezember) und „Kritik am Umgang des WDR mit ,Umweltsau’-Satire“ (TV vom 31. Dezember/1. Januar) schreibt Walburga Rink:

Es ist schon sehr besorgniserregend, dass alle Hasskommentare und Beleidigungen seitens der linken Moralinstanz als Satire bezeichnet werden dürfen. Dann darf der so bedauernswerte Danny Hollek, der mit der Antifa-Szene in Verbindung gebracht wird, mit „Nazisau“ noch einen draufsetzen. Ja, geht’s noch?

Da wird ständig die Verrohung der Sprache angeprangert und eine öffentliche Anstalt, eine SPD-Parteivorsitzende, die Deutsche Umwelthilfe und sogar der Kinderschutzbund kritisieren, dass eine Generation sich nicht als Umweltsau bezeichnen lassen will. Oh sorry, es ist ja nur satirisch gemeint.

Der Text hat absolut nichts mit Satire zu tun. Oder darf ich jetzt, natürlich nur im satirischen Sinn, jeden Politiker eine „Politikersau“ nennen? In einer zivilisierten Gesellschaft sollte das ein absolutes No-go sein. Wolfgang Kubicki hat recht, wenn er sagt, das erinnere an die DDR. Es gab schon mal eine Zeit in Deutschland, in der Kinder indoktriniert und instrumentalisiert wurden und dann sogar ihre Eltern, Geschwister und Großeltern denunziert haben. Schon vergessen?

Man darf sehr wohl von Kindern im Alter von zehn bis 14 Jahren erwarten, dass sie wissen, welchen Text sie da singen, und von den Eltern und allen anderen Beteiligten ebenso. Der Text wurde geschrieben, geprobt, für gut befunden und veröffentlicht, wie viel Zeit und Geld wurde dafür aufgewendet, es war also kein übereilter versehentlicher Fehlgriff, sondern scheinbar eine geplante Provokation. Soll dieses Vokabular jetzt salonfähig gemacht werden? Wenn sich der WDR eine ähnliche Entgleisung in Richtung beispielsweise von „Personen, die hier noch nicht lange leben“ erlaubt hätte! Der gesamte linksliberale Mainstream hätte sich auf ihn gestürzt und weitreichende Konsequenzen gefordert. Und hier wird alles einfach runtergespielt. Das ist für meine Begriffe Doppelmoral, wie sie im Buche steht. Es wird eine überaus politisch korrekte Wortwahl verlangt, Begriffe werden ausgetauscht und umbenannt, aber von einem respektvollen Umgang miteinander entfernen wir uns leider immer weiter.

Walburga Rink, Plütscheid