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Bildung
Ohne Rücksicht auf Verluste

Zu den Artikeln „Schreiben nach Gehör stößt in der Region auf Widerstand“ und „Her mit dem Rotstift!“ sowie zum Kommentar „Ministerin muss Machtwort sprechen“ (TV vom 4. Oktober) schreiben Peter Oldfield und Joachim Sels:

Zu den Artikeln „Schreiben nach Gehör stößt in der Region auf Widerstand“ und „Her mit dem Rotstift!“ sowie zum Kommentar „Ministerin muss Machtwort sprechen“ (TV vom 4. Oktober):

Menschen, die in der Rechtschreibung und Grammatik wiederholt Fehler machen, werden oft als weniger intelligent oder kompetent eingestuft. Eltern, die in die Schulhefte ihrer Kinder schauen und Fehler korrigieren, leisten die Arbeit, wofür die Grundschule früher berühmt war, und ihre Kinder haben einen besseren Start ins Leben. Die SPD-Ministerin Stefanie Hubig leistet mit ihrer Rechtschreibpolitik Ungleichheit und Spaltung in unserer Gesellschaft Vorschub. Es ist kein Wunder, dass die SPD mit ihrer Verunsicherung des normalen Bürgers ständig an Zustimmung verliert und den Status einer Volkspartei einbüßt, die sie früher war.

Peter Oldfield, Mertesdorf

Florian Schlecht liegt richtig mit seiner Meinung, dass in Sachen „Schreiben nach Gehör“ dringend ein Machtwort seitens der Ministerin zu sprechen ist, und der Begriff der ideologischen Scheuklappen ist zutreffend. Aber er greift noch etwas zu kurz. Denn gibt es noch einen anderen zivilisatorisch derart prägenden Bereich mit Teilnahmezwang (Schulpflicht), in welchem ohne jegliche Rücksicht auf Verluste am lebenden Objekt (vulgo: unseren Kindern) großflächig und unwissenschaftlich herumexperimentiert werden darf? Lassen wir die ebenfalls ideologisch stark verseuchte Diskussion um Atomenergie, Glyphosat und auch die Gentechnik mal außen vor und nehmen zur Verdeutlichung die strengen Regeln, welche in der Humanmedizin für die Zulassung von Behandlungsverfahren oder auch Medikamenten gelten. Hier muss erst in aufwändigen, fast immer jahrelangen Studien die positive Wirksamkeit nach wissenschaftlich anerkannten Methoden bewiesen werden, bevor diese eingesetzt werden dürfen. Oder – mal ein Beispiel aus der Technik – die strengen Zulassungsregeln, welche etwa für das gerade viel diskutierte autonome Fahren gelten werden. Gesellschaftlicher Konsens: erst Wirksamkeit, Mehrwert und/oder Unschädlichkeit beweisen, bevor generell eingesetzt werden darf.

Aber ausgerechnet in der für die langfristige Entwicklung unseres Gemeinwesens entscheidenden Bildungspolitik wird die Beweislast umgekehrt. Alles, auch Unfug, darf ungetestet eingeführt werden, und es muss erst mit umfangreichen wissenschaftlichen Feldstudien bewiesen werden, dass es sich bei einer eingeführten pädagogischen Neuerfindung oder Empfehlung um ein geistiges Hirngespinst handelt, bevor sie wieder abgesetzt wird. Und selbst dann, wenn die Anzeichen für die Untauglichkeit der Methoden sich überdeutlich abzeichnen, wird von unseren Chefideologen oft noch jahrelang auf Kosten unserer Kinder daran festgehalten – mentale Körperverletzung pur! Das „Schreiben nach Gehör“ ist beileibe kein Einzelfall. Dem einen oder anderen befürwortenden Grundschullehrer halte ich entgegen, dass er sich ja nicht mit den Konsequenzen dieser Methode in den weiterführenden Schulen herumzuschlagen hat.

Joachim Sels, Ralingen