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Politik: Ordnung vor Humanität?

Politik : Ordnung vor Humanität?

Zur Berichterstattung über den Krieg in Syrien und die Lage der Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze schreibt Robert Seidenath:

Ungeheuerliches geschieht auf den griechischen Inseln vor der türkischen Küste und an der türkisch-griechischen Landgrenze: Flüchtlinge werden von der türkischen Polizei zum Teil mit Gewalt an die Grenze geschickt, auf den Inseln in längst überfüllte Lager gezwungen oder von der griechischen Polizei und faschistischen Banden aufs Meer zurückgejagt, an der mit Nato-Draht abgesperrten Landgrenze von der griechischen Polizei misshandelt, ausgeraubt und schutzlos im Niemandsland zurückgelassen oder sogar umgebracht – zumindest nimmt die Polizei den Tod von Flüchtlingen billigend in Kauf, wenn sie ihnen nicht nur Mobiltelefone, sondern auch Geld und Lebensmittel, sogar Kleidung und Schuhe raubt und sie dann schutzlos in der Kälte zurücklässt. Und die konservative Regierung Mitsotakis hat das Asylrecht einfach ausgesetzt und lässt Gerichte in unfairen Schnellprozessen illegale Terrorurteile gegen Flüchtlinge fällen.

Dass die AfD dieser praktizierten Menschenfeindlichkeit applaudiert, wundert nicht. Aber sind die EU und die deutsche Bundesregierung wirklich besser? Die Vorgänge an der türkisch-griechischen Grenze verletzen eindeutig die Menschenrechte, die Genfer Flüchtlingskonvention und die Rechtsgrundsätze der EU, aber diese begrüßt und unterstützt die brutale Flüchtlingsabwehr Griechenlands.

Und Bundesinnenminister Seehofer meint, erst müsse „Ordnung“ hergestellt werden, bevor man sich der Humanität zuwende. So spricht der Unmensch, denn diese Ordnung ist inhuman, wenn nicht mörderisch. Was brauchen wir da noch eine AfD! Nebenbei bemerkt, machen sich Deutschland und die EU auf diese Weise wehrlos gegen den drohenden Faschismus.

Robert Seidenath, Gusterath