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Leserbriefe: Pauschale Ärzteschelte nicht angebracht

Leserbriefe : Pauschale Ärzteschelte nicht angebracht

Zum Leserbrief „Schulmedizin forscht oft nicht nach den Ursachen“ (TV vom 17. Januar) und anderen Beiträgen zum Thema schreibt Dr. med. Gunther Aurich:

Der Begriff der Schulmedizin ist leider antik und nervt mich zunehmend. Auch Heilpraktiker besuchen Schulen – gibt es dann auch die „Schulheilpraktiker“? Ehrlicherweise müsste dafür stehen „wissenschaftlich belegte Medizin“. Der Arzt, auch der Facharzt für Allgemeinmedizin, braucht mindestens neun Jahre Ausbildung zur Anerkennung. Der Heilpraktiker braucht ein Jahr.

Die Grundversorgung der gesetzlichen Krankenkassen wird von einem mindestens neun Jahre ausgebildeten Arzt gewährleistet. Eine darüber hinausgehende Versorgung steht jedem (zahlungskräftigen) Patienten selbstverständlich zur Verfügung. Dabei ist gesetzlich festgelegt, dass die Versorgung der kassenärztlichen Patienten „ausreichend“ ist. Ein Beispiel dafür ist die Bezahlung des Arztes für einen Hausbesuch; der Betrag deckt nicht die Rechnung eines Taxis für die Strecke. Ich denke, es gibt immer noch Kollegen, die nach der Ursache der Erkrankungen forschen und auch Kämpfe für die Patienten unentgeltlich mit Kassen und Ämtern führen.

Die Behördengutachten (21 Euro) macht der Heilpraktiker nicht, auch keinen Notdienst/Nacht/Feiertagsdienst oder eine Seniorenheimbetreuung, auch keine (palliativmedizinische) Begleitung der Patienten und der Angehörigen. Eine pauschale Ärzteschelte ist daher nicht angebracht.

Es gibt den gesetzlichen Anspruch für Kassenpatienten auf Klarstellung, was ein Arzt von der Kasse des Patienten für die ärztliche Leistung als Entgelt bekommt.

Ich bin von Patienten noch nie danach gefragt worden. Sie wären sicherlich befremdet darüber, dass viele Leistungen gar nicht bezahlt werden und daher kostenlos erbracht werden. Die Rechnung vom Heilpraktiker kommt direkt.

Wir Ärzte sind nicht Vasallen der Pharmaindustrie, wir haben ein von den Kassen festgelegtes Budget für Arzneimittel, Heilmittel (Physio) und Hilfsmittel (Rollator). Wir haften bei Überschreitung mit unserem Einkommen (unter anderem den üppigen 21,48 Euro für Hausbesuche).

Die 90 Prozent der Menschen, die mit der kassenärztlichen Behandlung zufrieden sind, sind stumm, weil das ja selbstverständlich ist. Die zehn Prozent, die unzufrieden sind und über die medizinische Versorgung schimpfen, finden immer ein offenes Ohr bei den Medien. Da gilt, was ich jedem meiner Patienten rate: nie den gesunden Menschenverstand an der Anmeldung abgeben!

Dr. med. Gunther Aurich, Gusterath