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Gesundheit: Pflege ist kein Beruf, sondern eine Berufung – bezahlt uns bitte angemessen!

Gesundheit : Pflege ist kein Beruf, sondern eine Berufung – bezahlt uns bitte angemessen!

Zum Artikel „Wenn die Wut größer wird“ (TV vom 17. Februar) schreiben Anne Heinz und Annika Rommelfanger:

Der Volksfreund berichtet über die Arbeit in der Pflege im Krankenhaus Saarburg. Ich bin Kinderkrankenschwester und arbeite seit 16 Jahren in der Pflege. Mit sehr großem Interesse habe ich diesen Bericht gelesen. Auch wir Pflegekräfte in der ambulanten Intensivpflege von Kindern kennen die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen. Wir haben genau dieselben Probleme.

Vor 16 Jahren hat man als frisch examinierte Pflegefachkraft nur ganz ganz schwer eine Stelle gefunden. Ich selbst bin aus der Not heraus in der ambulanten Pflege gelandet, heute weiß ich, dass das genau der richtige Weg für mich war und ich diese Arbeit liebe. Heute gibt es so viele neue Stellen, die gar nicht alle besetzt werden können. In den letzten Jahren wurde weniger Pflegepersonal ausgebildet, und nun gehen sehr viele Kolleginnen und Kollegen in Rente.

In unserer Region ist der Anreiz sehr groß, in Luxemburg zu arbeiten. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege, die dorthin gewechselt sind. Ich kann sie verstehen, da dort wirklich das große Geld lockt. Wir halten das hier kaum mehr aus, und deshalb appelliere ich an die Gesellschaft und die Politik genauso wie an die Krankenkassen: Bezahlt den Pflegediensten und den Krankenhäusern endlich mehr Geld für die Pflege und wertschätzt das, was sie tun – menschliche Pflege. Die ambulanten Pflegedienste besonders im Intensivbereich müssen immer mehr Anforderungen an Qualifikation der Mitarbeiter vorhalten, aber um die kleinsten Leistungssteigerungen bei den Krankenkassen lange kämpfen!

Es kann doch nicht sein, dass man in großen Fabriken am Fließband einen besseren Lohn bekommt als in der Pflege, wo es um Menschenleben geht. Besonders was die Zahlung der Zuschläge für Nachtdienste, Wochenenden und Feiertage angeht. Gerade in der jetzigen Zeit hat man gesehen, wie wichtig die medizinische Versorgung und da besonders die pflegerische Betreuung der Patienten ist.

Die ambulanten Intensivpflegedienste würden gern mehr Kinder aufnehmen, können dies aber nicht, weil nicht genug Personal da ist. Diese Kinder bleiben dann sehr lange in den Kliniken oder werden getrennt von ihren Familien im ganzen Bundesgebiet in stationären Einrichtungen untergebracht! Können Sie sich vorstellen, ein schwerkrankes Kind zu haben, und es gibt keine Pflegekräfte, die Ihnen helfen, dieses Kind zu Hause zu betreuen? Wenn Sie zum Beispiel in Bitburg wohnen und Ihr Kind in den Schwarzwald oder nach Bayern in eine Einrichtung geben müssten?

Es muss für alle Bereiche der Pflege eine bessere Finanzierung geben. Also nicht nur in dem großen Bereich der stationären Pflege, sondern auch in den Randbereichen wie der ambulanten Intensivpflege. Wir sind über Stunden, teilweise für 24 Stunden am Tag in den Familien (klassisch im Schichtdienst) und kümmern uns um die Kinder, aber wir sind auch für die Familien als Ansprechpartner da. Häufig könnten die Kinder ohne unsere Unterstützung nicht zu Hause leben. Wir begleiten sie in ihrem alltäglichen Leben, wir begleiten sie in Schule und Kindergarten.

In der Corona-Pandemie haben wir erlebt, wie schwierig das Leben mit schwerkranken Kindern ist. Für sie kann jeder Infekt lebensgefährlich sein. Und daher brauchen sie die Unterstützung von gut ausgebildetem Pflegepersonal, das Lust an dem Job hat und ihn liebt.

Anne Heinz, Bekond

 Ich bin als examinierte Pflegekraft tätig, und leider ist es nicht nur in den Kliniken so, dass der Personalmangel spürbar ist. Auch die ambulanten Pflegedienste haben enorm mit dem Mangel an Pflegekräften zu kämpfen.

Junge Kolleginnen und Kollegen suchen sich häufig andere Alternativen, da die ambulanten Pflegedienste bedauerlicherweise oft nicht so im Vordergrund stehen, wie die großen Kliniken, an welchen die zukünftigen Pflegekräfte ausgebildet werden.

Durch diesen Mangel an Fachkräften können gerade in der ambulanten Kinderintensivpflege zum Teil leider nicht alle Dienste abgedeckt werden. Vor allem dann, wenn jemand der Pflegekräfte kurzfristig ausfällt, ist es sehr schwierig bis unmöglich, Ersatz zu finden und die Dienste müssen schlimmstenfalls ausfallen und dann von den Eltern oder Familienangehörigen übernommen werden.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist es noch schwieriger, alle Dienste abzudecken, da die Teams aufgeteilt werden müssen, um die Kontakte so gering wie möglich zu halten, was bedeutet, dass die Menge an zur Verfügung stehender Pflegekräften noch wesentlich geringer ist, die dann die jeweiligen Patienten versorgen können.

Ich bin froh, dass es – so wie im Artikel von Bernd Wientjes erwähnt – immer noch Pflegekräfte gibt, die ihren Job lieben und ihn nicht nur als Beruf ansehen, sondern als Berufung.

Ich würde mir besonders für die engagierte Arbeit in der ambulanten Pflege wünschen, dass die Gehälter vom Staat angepasst werden, um einen weiteren Personalmangel durch das Abwandern nach Luxemburg zu unterbinden, und dass die ambulante Pflege in unserer Gesellschaft nicht in Vergessenheit gerät, sondern auch präsenter und attraktiver vor allem für junge Fachkräfte dargestellt wird.

Annika Rommelfanger, Kell am See