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Pia Kaldenbach schreibt zum Wittlicher Saubraten

Saubraten : Was muss noch passieren?

Säubrennerkirmes

Zum Artikel „Stadt reagiert auf Kritik am Saubraten“ vom 17. August schreibt Pia Kaldenbach:

Vor gut vier Wochen haben wir in der Eifel eine Flutkatastrophe von unfassbarem Ausmaß erlebt. Kurz danach brannten die Wälder rund ums Mittelmeer. Starkregenereignisse, Hitzewellen und die Eisschmelze werden als Folgen der Erderwärmung zukünftig das Leben auf diesem Planeten schwer beeinträchtigen, so der jüngste Bericht des Weltklimarates.

Ich frage mich, was muss alles passieren, damit wir begreifen, dass wir unser Verhalten und unseren Konsum verändern müssen. Jeder einzelne von uns. Wir wissen, dass unser Fleischkonsum diesen Planeten ruiniert. Trotzdem grillen wir fröhlich weiter – am liebsten Billigfleisch auf Luxus-Gasgrills. Wäre es tatsächlich ein Verzicht, mehr Gemüse zu verzehren? Es ist auf jeden Fall bequemer, den Regenwald mit Bier zu retten. Aber den Regenwald, die grüne Lunge unserer Erde, gibt es bald nicht mehr und die Wälder in der Eifel sind auch schwer geschädigt. Es hängt alles zusammen. Wir sägen gerade an dem Ast, auf dem unsere Kinder sitzen. Warum zum Beispiel exportieren wir 2,3 Millionen Tonnen Schweinefleisch (im Jahr 2020) aus Deutschland? Macht es Sinn, unsere Umwelt zu ruinieren und Millionen Tiere zu quälen? Nur für den Profit einiger weniger? Chinesen können einen Airbus kopieren, dann bekommen die das sicherlich auch mit der Schweinemast hin.

Ganz abgesehen von der moralisch-ethischen Beurteilung der Massentierhaltung und den Akkordschlachtungen. Darin liegt die eigentliche moralische Katastrophe unserer „zivilisierten“ Gesellschaft: in der selektiven Wahrnehmung. Nutztiere werden bis aufs Letzte ausgebeutet und Haustiere vergöttert.

Tier-, Umwelt- und Klimaschutz ist Menschenschutz und beginnt auf unserem Essteller. So einfach ist das. Im bekanntesten katholischen Gebet steht auch nicht geschrieben „Vater unser, gib uns unser täglich Fleisch“. Wenn 80 Millionen Menschen weniger Fleisch essen, dann hat das einen enormen Effekt für die Umwelt und auch für die eigene Gesundheit. Weniger ist tatsächlich mehr. Das Töten von Lebewesen darf keinesfalls zum Brauchtum oder zur Tradition ausgerufen werden. Schon Leo Tolstoi, der große russische Autor, stellte im 19. Jahrhundert fest: „Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben“. Und hier schließt sich wieder mal der Kreis. Das Recht auf Selbstentfaltung endet da, wo ich andere (Lebewesen) beeinträchtige, gefährde oder verletze.