Politik

Zum Leserbrief "Lächerlich" (TV vom 24. August) und zur Lage in der Türkei:

Wiederholt wird der freien Presse in Deutschland misstraut, während in der Türkei die Pressefreiheit massiv eingeschränkt wird. Stattdessen vertraut die Leserbriefschreiberin Helga Friedrich aus Veldenz dem türkischen Döner-Verkäufer "um die Ecke", der seine Information im Zweifel vom türkischen Staatsfernsehen hat. Macht das Sinn? Kann man sich so eine neutrale, objektive und vernünftige Meinung zur Situation in der Türkei bilden? Wir haben eine freie und kritische Presse in Deutschland und sollten darauf stolz sein. Mit Menschen aus der Türkei (zusätzlich) zu sprechen, ist natürlich stimmig und ergänzt das Meinungsbild. Zum Thema: Die Türkei hat ihre Wirtschaftskraft unter Erdogan gesteigert, zweifellos, sogar um circa 25 Prozent in den Jahren unter seiner Regentschaft. Bemerkenswert, aber sicherlich nicht nur Erdogan zuzurechnen. Hauptgrund war die Annäherung an die EU und dadurch folgenden ausländischen Direktinvestitionen. Hauptverdienst von Erdogan war, dass er das Potenzial der Türkei hat entfalten lassen. Das hat er allerdings in der Zwischenzeit wieder rückgängig gemacht, er ruiniert gerade sein Land wirtschaftlich, die Rechnung folgt. Ein Gesundheitssystem oder auch Banken gab es übrigens vorher schon, absurd, dies nur Erdogan zuzuschreiben. Es stimmt, dass er einen Versöhnungskurs mit den Kurden begonnen hatte. Diesen hat er aber einseitig aufgekündigt, nachdem die AKP die absolute Mehrheit verlor. Nun haben wir einen echten, "heißen" Bürgerkrieg in der Türkei. 80 Prozent der Häuser in den kurdischen Gebieten sind beschädigt, zehn Prozent der Häuser sind unbewohnbar. Im Osten der Türkei sterben jeden Tag Menschen (vor allem Kurden) durch die türkische Armee, und Frau Friedrich meint tatsächlich, dass Kurden nicht mehr unterdrückt werden. Woher stammt diese "Information"? Absurd und komplett an der Wahrheit vorbei. Meine Quelle: Medien und persönliche Kontakte. Zum P.S. von Frau Friedrich: Deutschland hat (durch Waffenlieferung) keinen der aktuellen Konflikte ausgelöst. Unabhängig davon, ob wir Waffen liefern, wäre jeder dieser Krisenherde ausgebrochen (Libyen, Syrien, Ägypten, Afghanistan, Irak). Waffen sind genug in der Welt, dafür braucht es Deutschland nicht (die meisten Waffenexporte gehen in befreundete Staaten, die aber auch so genügend Waffen besitzen). Deutschland hat diese Konflikte nicht gewollt und nicht ausgelöst! Nichtsdestotrotz muss man den Kriegsflüchtlingen natürlich helfen. Christoph Kohl, Trier

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