Politik

Zur Berichterstattung über den Terror und die Lage in der Türkei:

Terroranschläge sind immer zu verurteilen. In diesem Fall aber trägt das Erdogan-Regime eine erhebliche Mitschuld wegen seines einseitigen, brutalen Abbruchs des Friedensprozesses. Erdogan nimmt die Gewalteskalation in Kauf, um seinen Terror noch steigern zu können. Er führt - auch mit deutschen Waffen - einen völkermordähnlichen Krieg gegen die kurdische Bevölkerung im Südosten der Türkei, lässt Oppositionelle zu Tausenden von ihren Arbeitsplätzen entfernen, verhaften, foltern, verurteilen, sogar auf offener Straße ermorden, ihre Zeitungen und Sender verbieten oder gleichschalten. Künftig will er die Opposition sogar ganz offiziell mit der Todesstrafe verfolgen, und er droht ihr auch die Verfolgung im Ausland an. Worauf warten die leisetreterische EU und unsere hasenfüßige Bundesregierung denn noch, um wenigstens die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen? Despoten vom Schlage Erdogans verstehen nur die Sprache harter Strafmaßnahmen, also: sofortiger Abbruch der Verhandlungen, Wirtschaftssanktionen ("Keine Schraube in die Türkei, keine Feige aus der Türkei!"), ein Waffenembargo, Ausschluss aus der Nato! Dann würde der große Diktator, das heimliche Idol unserer Rechten, schnell sehr klein werden. Für die Kurden und die demokratische Opposition kann es kaum schlimmer kommen, die übrigen sind nicht schuldlos, da sie mit großer Mehrheit die AKP und Erdogan gewählt haben. Robert Seidenath, Gusterath