POLITIK

Zur Meinung "Sieben Kinder, sieben Stimmen" (TV vom 22./23. Nov.):

Vermutlich hat Hagen Strauß recht, dass die Idee des Familienwahlrechts unausgegoren ist. Nur mit der Begründung liegt er leider voll daneben. Den Kindern und ihren Interessen in unserer Demokratie mehr Macht zu geben, ist eine dringende Forderung, bei der es in erster Linie nicht um mehr Krippenplätze, Musikunterricht oder vorlesende Papas geht. Vielleicht schon eher um Chancengerechtigkeit in der Bildung. Wesentliches Ziel der Argumentation von Familienministerin Manuela Schwesig muss der Umgang der jetzigen mittleren und älteren Generation mit den Ressourcen dieser Erde sein, den Landschaften, dem Städtebau und den Naturräumen, und die globale Situation. Seit 40 Jahren wissen wir um Klimawandel und die Endlichkeit der Bodenschätze, aber was sich vermehrt und vergrößert, sind unsere Automobile und die beheizte Wohnfläche pro Bundesbürger. Wir erhalten nicht den fruchtbaren Boden, sondern wir asphaltieren. Wir lassen Urwald roden für Bio-Benzin, und fliegen immer öfter fröhlich zum Spaß in den Urlaub. Unsere größte individuelle Zukunftssorge ist der Lebensstandard im Alter, nicht die Bewohnbarkeit des Planeten. Das Familienwahlrecht scheitert, weil es in der Praxis kaum rechtssicher umgesetzt werden kann. Man überlege sich, nach welchem Verfahren (Los? alternierend?) das Kindes-Stimmrecht bei getrennt lebenden Eltern ausgeübt werden soll. Wie aber sonst die Regierenden und die wohlhabende Mehrheit im Land zu mehr Nachhaltigkeit gezwungen werden können, das hat mir unsere Tagespresse bisher nicht erklären können. Jörg Wiesenfeldt, Trier