POLITIK

Zum Leserbrief "Dümmlich und besserwisserisch" (TV vom 5. November):

Die Zuschrift von Bernard Bölinger zum Nürburgringdesaster trieft nur so vor roter SPD-Tinte und geht an den Tatsachen vorbei, dass er nicht unwidersprochen bleiben kann. Zunächst werden die Eifeler als "tumb", mit "parteipolitisch motivierter Dümmlichkeit" ausgestattet, die die tollen Taten der Landesregierung und der SPD-Granden, angefangen bei Beck, Hering, Kühl, Lewentz kritisieren. Was wurde alles vom ehemaligen Landesvater verkündet: Kein Euro Steuergeld werde am Nürburgring benötigt, finanzkräftige Privatinvestoren finanzierten die großkotzigen Pläne der Landesregierung. Was daraus geworden ist, welche gravierenden Fehler gemacht wurden, sehen wir jetzt. Nicht die "Schlaumeier" aus der Eifel, sondern der Rechnungshof hat in seinem Gutachten ein vernichtendes Urteil über Pläne, die Umsetzung und finanzpolitische Entscheidungen der Landesregierung gefällt. Der ehemalige Finanzminister Deubel stand vor Gericht und wurde ob seiner finanzpolitischen Schlaumeiereien verurteilt. Wie kann denn auch die Presse kritisch hinterfragen und über die Vernichtung einer halben Milliarde Euro berichten? Die SPD geführte Regierung wollte doch nur Gutes! Aber es kommt nicht auf die Pläne, sondern auf das Ergebnis an, und das ist, um es mit einer Schulnote auszudrücken: sechs! Sicher haben sich die Eifeler über Investitionen am Nürburgring gefreut. Aber es gab schon früh Mahner, die vor einer Überdimensionierung warnten. Allen Warnungen zum Trotz wurde nicht die Reißleine gezogen. Herr Bölinger verweist auf Investitionen und Projekte aus der Privatwirtschaft und meint, dort würden auch Fehler gemacht und Geld verbrannt. Ja, Sie haben recht. Aber es ist das Geld der Investoren und der Privaten und nicht das Geld des Steuerzahlers. Die Investitionen am Nürburgring müssen wegen Pfusch am Bau teilweise abgerissen werden. Der Ringracer läuft bis heute nicht. Und dann schütten Sie, lieber Herr Bölinger, das Kind mit dem Bade aus, wenn Sie behaupten: Politikverdrossenheit entsteht nicht dadurch, dass eine halbe Milliarde Euro in den Sand gesetzt wurde, sondern durch die Kritik an denen, die für dieses finanzielle Desaster verantwortlich sind - die Landesregierung und die damalige Mehrheitspartei im Landtag. Noch ein Wort zu Julia Klöckner, die nach Ihrer Meinung nichts tut: Es ist Aufgabe der Opposition, Fehler der Regierenden zu kritisieren - also Frau Klöckner tut was, wenn auch nicht in Ihrem Sinne. Friedbert Wißkirchen, Daun