POLITIK

Zum Artikel "Bundespräsident hadert mit der Linkspartei" (TV vom 3. November):

Die argwöhnischen Äußerungen im Hinblick auf die Regierungsbildung in Thüringen haben zu heftigen Diskussionen geführt. Gauck zweifelt öffentlich die Fähigkeit der Linken an, in unserem demokratischen Rechtssystem angekommen zu sein. Bedenkt man sein Alter und seine Herkunft, ist seine Sorge verständlich. Dabei scheint ihm aber nicht bewusst zu sein, dass im Nachkriegsdeutschland die Situation noch viel bedenklicher war. Mangels erfahrenem Personal und auch dank guter Beziehungen waren damals Regierungen und Verwaltungen durchsetzt von ehemaligen Nazi-Akteuren. Trotzdem setzte sich unser Rechtssystem mehr oder weniger problemlos durch. In eine laufende Koalitionsbildung hinein zu kritisieren, steht dem Bundespräsidenten nicht zu. Sein Wort hat Gewicht, und deshalb ist er gehalten, sich nicht in die Tagespolitik einzumischen. Repräsentieren statt politisieren ist seine Aufgabe. Die Linke muss gewiss noch hier und da Demokratie lernen. Genau wie der Bundespräsident. Peter Trauden, Heilbach