Politiker

Zum "Mann des Tages" Peer Steinbrück (TV vom 1. März):

Da hat sich aber jemand bemüht, im Trierischen Volksfreund unter dem Kürzel "wk" SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als Politiker aus der Zeit fallen zu lassen. Ausgerechnet der 33-jährige CDU-Außenpolitiker Mißfelder (dass ich nicht lache!) wird zum Maßstab der Seriosität dem 66-jährigen Peer Steinbrück gegenübergestellt. Ich fasse es nicht! Was ist überhaupt passiert? Steinbrück spricht in einer Veranstaltung namens "Klartext" zum Wahlausgang in Italien unter anderem den Satz: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Und schon ist die deutsche Journaille wieder obenauf, den ehrlichen Sozialdemokraten erneut zu verspeisen. Was ist falsch daran, Beppe Grillo als Clown zu bezeichnen? Berufskomiker oder auch Clowns sind nun mal Künstler. Den Berlusconi aber in diese Kategorie einzuordnen, ist eine Schmeicheleinheit, die der nun wirklich nicht verdient hat. Oder sind die Berichte über die ungezählten Male, in denen er wegen Schmiergeldaffären, Steuerbetrug und Meineid vor Gericht stand, Zeitungsenten? Im Oktober verurteilte ihn ein Mailänder Gericht wegen Schwarzgeldkassen erstinstanzlich zu vier Jahren Haft. Dass ihm bisher die Diplomaten-Immunität den freien Fuß bewahrte, ist doch auch hinlänglich bekannt. Ich bin mir sicher, dass Frau Merkel mit höchstem Medienlob bedacht worden wäre, wenn sie ob ihrer "klaren Sicht der Dinge" mal einen Standpunkt bezogen hätte. Aber ihr wäre ja eine solch klare Aussage nicht über die Lippen gekommen, wie der Volksfreund-Kommentator "wk" richtigerweise schrieb. Egon Sommer, Tawern Anm. d. Red.: Das Kürzel "wk" steht für Werner Kolhoff, den Chef-Korrespondenten des Volksfreunds in Berlin.