POLITIKER

Zur Berichterstattung über die Edathy-Affäre, den Rücktritt von Minister Friedrich, den Job-Wechsel von Ronald Pofalla und zur Diätenerhöhung:

Mir fällt das Wort gerade nicht ein, das unsere Eltern und deren Eltern gerne in den Mund genommen haben, wenn wieder mal etwas geboten war. So wie zuletzt in Berlin. Zum einen die Edathy-Affäre. Da liegt beim BKA, nicht auf einer Polizeiwache in Mogadischu, gegen einen Abgeordneten des Deutschen Bundestages schon seit 2011(!) ein Tatverdacht vor, der so unbeschreiblich ist, dass er, wenn er wahr wäre, mir die Wutadern am Hals pochen lassen würde. Dieser Abgeordnete ist dann auch noch Vorsitzender im NSU-Untersuchungsausschuss! Die ganze Zeit, seit fast drei Jahren! Wer und warum hatte ein Interesse dran, dies unter dem Teppich zu halten? Dann erfährt der damalige Innenminister, während der Koalitionsverhandlungen, durch einen unerklärlichen Umstand von diesem Vorgang, denn ermittelt wurde ja noch nicht. Der erzählt es einem, der wieder einem, der noch einem, der wiederum ruft einen an, um etwas zu fragen, was er schon weiß, also auch keine Antwort erhält, weil das wäre, ja strafbar. Aber egal, der Minister muss gehen, jedem tut es leid, auch dem Minister, weil der wahrscheinlich auch gerne zur Bahn gegangen wäre. Aber da war ja schon der Herr Ronald Pofalla, der jetzt so gerne nach getaner Arbeit für die Lobbyisten selbst mal einer werden möchte. Also für mich ist das jetzt schon fast genug. Aber nicht für unsere Volksvertreter. Die kommen jetzt erst richtig in Fahrt, machen, als ob da gar kein wichtigeres Problem zu lösen sei, erst mal ihre Taschen voll, indem sie ihre Diäten an das Gehalt von Bundesrichtern ankoppeln. Was man in der Presse gar zu selten zu lesen bekommt, ist noch das Sahnehäubchen. Die Pensionsansprüche. Nach vier Jahren im Bundestag hat ein neuer Abgeordneter einen Rentenanspruch von 900 Euro. Wie lange muss ein Dachdecker, ein Industriemechaniker arbeiten, um einen solchen Rentenanspruch zu erarbeiten? Einem Friseur oder einer Putzfrau werden für einen solchen Rentenanspruch 45 Jahre nicht reichen. Wie losgelöst muss man sein, um ein Land so zu regieren? Ach ja, Bananenrepublik, das ist das Wort, nach dem ich suchte, aber das ist jemandem ohne Schamgefühl dann auch noch egal. Und nach vier Jahren wundert man sich über die Wahlbeteiligung. Aber selbst das ist den Damen und Herren Abgeordneten egal, denn der Bundestag wird nach jeder Wahl immer wieder voll besetzt, selbst wenn weniger als zehn Prozent der Bundesbürger wählen gingen. Peter Kühn, Temmels