Politiker

Zur Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten und zu den Auswirkungen auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen der Bürger in die Demokratie:

Wulff, Wulff und kein Ende der Debatte. Täglich wird man mit neuen Daten und angeblichen Fakten überschüttet. Der Bürger ist diese Anschuldigungen oder Beihilfen längst überdrüssig, sie schaffen sicherlich kein Vertrauen in unsere Politiker und unsere Parlamente. Unser ganzes Land leidet unter diesem Dilemma. Wulff hat es in der Hand, dieses unwürdige Gerangel zu beenden. Er soll endlich einmal die ganze Wahrheit sagen über die Punkte, die ihm vorgeworfen werden und wo er versprochen hat, lückenlos ehrlich zu antworten. Scheibchenweise etwas zugeben oder über Anwälte zu reagieren - das lädt geradezu die Journalisten ein, weiter genau nachzuforschen. Er sollte auf den Rat hören, den einer seiner Vorgänger, Theodor Heuss, so formulierte: "Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedächtnis leisten." Wulff sagt, er brauche eine Lehrzeit für dieses Amt und man hätte ihn praktisch in dieses Amt hineingestoßen. Wenn sich in unserem Land (der Dichter und Denker) keine geeigneteren Kandidaten finden ließen, so ist ein Azubi wie Wulff für das höchste Amt sicherlich auch ein Fehlgriff gewesen. Er hätte ja, wenn er sich überfordert fühlte, einfach das Angebot ablehnen können. Aber seine Eitelkeit ist ihm eine Bürde geworden. Wir haben sicher viele Persönlichkeiten, denen es an Moral und Wahrheit, Weitsicht und Überparteilichkeit, Rückgrat und Überzeugungskraft, Fingerspitzengefühl und kühlem Kopf nicht mangelt. Solch eine Person würde eine breite Zustimmung erhalten und wieder Vertrauen schaffen. Alles das, was Wulff verspielt hat. Der Amtsinhaber bittet um Nachsicht und stellt sich als Opfer dar und gebraucht den Spruch aus der Bibel vom Werfen des ersten Steines. Mit etwas Weitblick hätte er dieses Argument nicht benutzt. Dies war ein Bumerang, denn wer wie Wulff in seiner Zeit als Abgeordneter und Ministerpräsident sehr schnell und mediengeschickt einen Steinhagel auf seine Politikgefährten losschleuderte, darf sich über die Steinigung seinerseits nicht wundern. Hätte Wulff am Anfang der Debatte zu seinen angeblichen Verfehlungen den Titel seines Buches "Besser die Wahrheit" als Grundlage benutzt, hätte er jetzt keinen Mühlstein um den Hals. Der Schriftsteller Hans Krailsheimer bringt es auf den Punkt: "Das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird." Deutschland hat einen guten Ruf und verdient einen geachteten Bundespräsidenten. Herr Wulff ist zu einer Figur für Karikaturisten, Spottshows und Satire geworden. Es wird Zeit, mit der vollen Wahrheit vielleicht noch einen Umschwung zu erreichen. Ansonsten wird der Mühlstein ihn versenken. Walter Ferner, Bitburg