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Zum Artikel "Guttenberg teilt aus" (TV vom 29. November):

Karl-Theodor zu Guttenberg macht sich nach Kräften unmöglich. Als Verteidigungsminister musste er zurücktreten und 20 000 Euro bezahlen, weil er ganze Passagen seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat. Er zeigt sich weiterhin uneinsichtig, tut die Plagiate als Dummheit ab und attackiert nun seine Universität. Seinem Nachfolger, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, hat er kein gut bestelltes Haus hinterlassen, sondern einen windschiefen Reform-Rohbau. Seine Rückkehr nach Deutschland dagegen scheint er generalstabsmäßig geplant zu haben. Er konnte auch darauf Einfluss nehmen, wann das Strafverfahren gegen ihn eingestellt wurde. Das geschah passenderweise zu dem Zeitpunkt, zu dem er in Halifax mit seiner Politiker-Schelte auf die öffentliche Bühne zurückkehrte. Der von ihm verursachte mediale Wirbel ist die beste Reklame für sein Buch. Die erste Auflage ist schon vor dem Erscheinen fast vergriffen. Darin geht es - natürlich auch - um Ehre. Um seine Ehre. Doch sehr ehrenwert ist sein derzeitiges Verhalten nicht. Im Gegenteil. Was Guttenberg macht, ist scham- und stillos. Da ist auf der einen Seite der Feingeist mit großem Namen und beeindruckender Familientradition, der höchste moralische Maßstäbe anlegt. Und da ist auf der anderen Seite der Blender, der diesen Maßstäben nicht gerecht wurde und sein Vergehen als lässliche Sünde abtut. Da ist der skrupellose, selbstverliebte, undankbare Selbstdarsteller, der alle vor den Kopf stößt und mit Parteigründung droht. Zugleich behauptet er, er habe ohnehin nicht bis 2013 Minister bleiben wollen, um sich "nicht zu sehr vom Politikbetrieb vereinnahmen zu lassen". Wie das wohl in den Ohren der Soldaten klingt, die ihm angeblich so am Herzen lagen und von denen ihn noch heute viele verehren? René Schenten, Trier