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Zur Diskussion um die Kredit-Affäre von Bundespräsident Christian Wulff und zu früheren Politiker-Eskapaden (der TV berichtete):

Entrüstung über Wulff? Wo war denn die große Entrüstung, als sich 1996 der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und spätere Bundespräsident Johannes Rau seine Feier zum 65. Geburtstag mit 150 000 Mark von der WestLB bezahlen ließ? Und teils auch seine Privatreisen. Die WestLB hat\'s zulasten des Steuerzahlers als Kosten gebucht (Quelle: Wikipedia), toll! Es wird in großem Stil mit zweierlei Maß gemessen. Wulff hat eine Ungeschicklichkeit begangen, die niemand etwas gekostet hat, mehr nicht. Das und seine Mitgliedschaft zur CDU genügen aber der deutschen Linken, wutentbrannt an seinem Stuhl zu sägen. Beim Anlegen gleicher Maßstäbe hätten seinerzeit Johannes Rau und in unserer Zeit der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck mit seinem Nürburgring-Lügengerüst längst zurücktreten müssen. Journalistisch ist zum Nürburgring ja durchaus gut recherchiert worden. Zur finalen Aufklärung und zur Jagd auf MP Beck wird es aber, da bin ich mir sicher, genauso wenig kommen wie seinerzeit bei Johannes Rau. Etwas Toleranz und Besinnung auf wirklich wichtige Dinge täten sicher gut! Manfred Helbach, Trier Es ist schon erstaunlich, wenn man jetzt von überall die Unterstützungskommentare für Herrn Wulff liest. Hier wird sogar von "menschlichen Fehlern" gesprochen. Ebenso erschreckt war ich über die Umfragen, in denen über 70 Prozent der Bevölkerung gegen einen Rücktritt des Herrn Präsidenten sind. Ein Politiker, der sich Urlaube, Kampagnen und wer weiß noch was bezahlen lässt, hat nach meinen Empfinden nichts mehr im Amt verloren und sollte unehrenhaft gefeuert werden. Nur anzunehmen, was er gemacht hat, ist ja nicht so schlimm, die anderen haben viel mehr Dreck am Stecken - das ist ein Schlag in das Gesicht aller anständigen Beamten. Oder meint der geneigte Leser, dass ein einfacher Polizei- oder Feuerwehrbeamter hier ohne Disziplinarverfahren und Rauswurf davon käme? Was für eine verkehrte Welt. Jörg Biegel, Taben-Rodt Vor über 2000 Jahren pflegte der römische Staatsmann Marcus Tullius Cicero, uns - regional betrachtet - Spätgalliern bestens bekannt, die Senatoren stets zu Vorbildhaftigkeit zu ermahnen, da Verfehlungen allzu leicht auf das plebejische Volk überzuschwappen drohten. Beim jetzigen Kesseltreiben und Sperrfeuer gegen den Bundespräsidenten - ohne die nicht korrekten Dinge sanktionieren zu wollen - kommt der Beschuss aus einer Ecke, der der Wertbegriff der Integrität offensichtlich völlig unbekannt ist. Ein Ex-Umweltminister, der auch noch den Namen eines Erzengels trägt, gefiel sich darin, sich aus dem siebzehnten Bundesland Mallorca für eine Stunde Kabinettssitzung in Berlin mit einem Challenger-Jet der Flugbereitschaft der Bundeswehr für mehr als 50 000 Euro und 36 Tonnen CO{-2}-Ausstoß hin- und herfliegen zu lassen. Ein bekanntes Grünen-Gespann orderte aus dem gleichen Flugpark eine Maschine, da die brasilianischen Klappermühlen zur Regenwaldbesichtigung - notabene auf Steuerzahlerkosten - zu riskant erschienen. Erst als die Maschine schon in der Luft war, stornierte das grüne Duo den Flug. Eine Gestalt aus selbigem Kader entblödete sich nicht, Staatsmeilen widerrechtlich zum Lustflug nach Bangkok zu nutzen. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Im spätrömischen Imperium tendierte man auch zu solchen Allüren. Peter F. Giese, Traben-Trarbach Anm. d. Red.: In die sogenannte Bonusmeilen-Affäre waren im Jahr 2002 Bundestagsabgeordnete aller Parteien verwickelt. Die Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr durch Politiker führt immer wieder zu Diskussionen, zuletzt im Oktober, als herauskam, dass Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im März zu einer Papst-Audienz nach Rom gejettet war. Kosten: 150 000 Euro.