Politiker

Zum Standpunkt "Frech wie Klöckner" (TV vom 8./9. September) und zur Rolle der Mainzer Oppositionsführerin:

Dieser als "Standpunkt" und somit als Kommentar getarnte Artikel im TV ist meines Erachtens nichts anderes als eine perfide Wahlwerbung für die CDU. Julia Klöckner scheint für Isabell Funk eine messianisch Entsandte zu sein, die wohl das heruntergewirtschaftete Rheinland-Pfalz von der Knechtschaft der SPD-Regierung befreien soll. Dabei war ihr Misstrauensantrag gegen Kurt Beck in meinen Augen weniger Kalkül, das der Wahrheitsfindung dienen sollte, sondern allenfalls Machtkalkül. Und das gesamte Vorhaben war in meinen Augen weder frech, sondern eher dummdreist, noch mutig, sondern allenfalls trotzig. Frau Klöckner hat sich für mich in den letzten Jahren nur durch plumpe Diffamierung ihres Gegners zu profilieren versucht - eine klägliche und armselige Strategie. Dem Gegner immer nur Vorhaltungen zu machen, ohne eigene konkrete Vorschläge zur Problemlösung zu unterbreiten, ist doch wirklich gar zu billig. Das ist Politik im frühkindlichen Stadium der Schuldzuweisung. So kann man bei einem aufgeklärten Volk im 21. Jahrhundert keinen Wahlkampf mehr gewinnen - und das ist auch gut so! Bei einem Blick auf Frau Klöckners Themenliste auf http://www.julia-kloeckner.de/meine_politik/themen.php fallen einem so marginale Schwerpunkte wie Fahrgastrecht, unerlaubte Telefonwerbung, Weinbau und Vereine ins Auge - alles ganz nett, aber sicherlich nicht das, was dieses Land primär braucht. Die größten Baustellen sind und bleiben: soziale Gerechtigkeit, Mindestlohn, Eindämmung der Macht der Banken und Begrenzung der Gier. Was wir brauchen, sind Politiker mit Visionen, mit klaren Vorstellungen und Tatkraft, dank der aus Ideen Realitäten werden. Und auch dahingehend sind Frau Klöckners Antworten auf Bürgerfragen reine Plattitüden. Auf die Frage "Sie haben einen Wunsch frei, was würden Sie sich wünschen?" antwortet sie: "Dass die CDU bei der nächsten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz stärkste Partei wird und die Regierung stellt." Das sagt doch alles: Ihr geht es nicht um die Umsetzung politischer Visionen, weil sie nämlich gar keine hat, sondern ihr geht es nur um die Macht. Und solche Politiker braucht das Land nicht, davon haben wir schon viel zu viele! Ralph Zedler, Mertesdorf