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Leserbriefe
Rätselhafte Richtersprüche

Zu den Artikeln „Protest hinter Panzerglas“ und „Bewährungsstrafen für Brandanschlag“ (TV vom 8. Juni) schreibt Wolfgang Hertel:

Manchmal sind Richter nicht zu beneiden: Was ist im Fall des vermeintlichen Versagens von JVA-Vollzugsbeamten ein gerechtes, ein sachgerechtes Urteil? Die Urteilsbegründung (vorausgesetzt, vom TV richtig dargestellt) lässt allerdings am Urteilsvermögen des Richters Marco Schneider zweifeln. Gewiss hätte die lange Liste der teils schweren  Verkehrsdelikte des nunmehr lebenslänglich verurteilten Geisterfahrers den Verantwortlichen der JVA zu denken geben müssen. Aber Richter Schneider relativiert ja selbst die Schwere der Verstöße: „24 Verurteilungen kassierte er, fast immer kam er mit Bewährungsstrafen davon.“ Diese verharmlosenden Bewährungen haben aber nicht die JVA, sondern, wie leider allzu oft, Richter zu verantworten. Warum hat das letzte Gericht (vor der tödlichen Geisterfahrt) nicht die Gefährlichkeit des Delinquenten erkannt? Warum hat dieses Gericht die JVA nicht angewiesen, einen Freigang nur nach richterlicher Anhörung zu gestatten?

Hätte allerdings die JVA, wie von Richter Schneider im Nachhinein erwartet, den Freigang eigenständig verweigert, hätte jener Geisterfahrer vielleicht geklagt. Es würde  nicht verwundern, hätte just Richter Schneider die JVA zur Gewährung des Freigangs verdonnert.

Apropos Bewährung: Warum werden zwei mehrfach vorbestrafte Männer, unbelehrbare Wiederholungstäter, für eine vorsätzliche, extrem kriminelle Tat (Brandstiftung!) nur zu Bewährungsstrafen verurteilt? Da wird eine angebliche Überlastung der Justiz aufgetischt, um eine verdiente (Mindest-!) Strafe von dreieinhalb Jahren, ohne Bewährung, auf läppische zwei Jahre mit Bewährung zu bagatellisieren. Ausreden!

Wolfgang Hertel, Konz