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Rainer Weinand: Riesiges Potenzial  für Freiflächen-Photovoltaik

Leserbrief : Riesiges Potenzial  für Freiflächen-Photovoltaik, aber wir brauchen unbürokratische Entscheidungen

Energie

Zum Artikel „Land plant mit 2500 Windrädern und 300.000 Solaranlagen“, (im TV vom 2. Mai):

Unsere Landesregierung plant mal wieder. Diesmal sind es 2500 Windräder und 300.000 Solaranlagen, die man bis 2030 allein in Rheinland-Pfalz bauen will. Doch ich frage mich, wie das funktionieren soll. Etwa dadurch, dass eine Behörden-Etappe weniger eingebunden wird? Und das auch erst ab 2023, so ist zumindest die Idee der Landesregierung. Ein großes Thema beim Umstieg auf erneuerbare Energie ist sicherlich die Umstellung der Heizungen auf strombetriebene Lösungen ohne Nutzung fossiler Brennstoffe. Ich selbst hatte dies für unser Haus auch geplant. Nachdem alle zuständigen Fachfirmen bei mir vorstellig geworden sind, bin ich bei einer Investition von etwa 100.000 Euro angelangt.

Wie bitte soll man das denn finanzieren? Und wann soll sich ein solcher Umstieg auf klimafreundliches Heizen amortisieren? Selbst wenn man in die Kalkulation die möglichen Förderungen einrechnet, dauert es sicher 20 Jahre, bis das alles bezahlt ist. Ob ich das noch erleben würde? Keine Ahnung. Ob ich es mir leisten könnte? Vermutlich nicht, denn von meiner Rente kann ich die Kreditraten dann eher nicht mehr bezahlen. Also verabschiede ich mich von dem Gedanken, mein Haus mit erneuerbaren Energien zu heizen.

Aber dann hörte ich durch Zufall von einem Projekt in Baden-Württemberg. Dort gibt es eine Bürger-Energiegenossenschaft, die vor Ort mittels Freiflächen-PV Strom für viele Menschen erzeugt. Klimaneutral. Und die demnächst sogar eigene, der Genossenschaft gehörende Windräder aufstellen will. Das geht sicher auch bei uns, dachte ich mir und habe mehrere Ministerien in Rheinland-Pfalz sowie Politiker des EU-Parlamentes und des Landtages angeschrieben, um Infos zu bekommen, was man tun muss, um ein solches Projekt auch bei uns anzustoßen. Das war vor vier Wochen, von acht Adressaten kamen bisher zwei Antworten.

Wenn ich mir dieses Tempo vor Augen führe, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass wir weder bis 2030 die immense Zahl der PV-Anlagen und Windräder bauen noch das Ziel erreichen werden, bis dahin unseren Strom in Rheinland-Pfalz komplett aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Das Thema Freiflächen-PV wird bisher in Forschungsprojekten geprüft. Ich bin sicher, hier liegt ein riesiges Potenzial. Aber dafür brauchen wir Schnelligkeit in der Planung und Verwirklichung. Was wir brauchen, sind unbürokratische Entscheidungen. Man hätte schon vor Jahren den Flughafen Hahn für ein solches Projekt nutzen sollen, statt ihn den Chinesen zu verkaufen. Wo das hingeführt hat, wissen wir – in die Pleite.