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Zu den Leserbriefen von Marco Meng, Robert Seidenath und Hartmut Schrör in der Volksfreund-Ausgabe vom 2./3. Juli:

Meinung

Intoleranz, Ignoranz und grober Unfug: Warum die Kritik am Islam und am Papst falsch ist
Es ist sicher nicht die Norm, mehrere Leserbriefe einer Volksfreund-Ausgabe en bloc kritisch zu hinterfragen. Hierzu gab es aber am vergangenen Wochenende reichlich Anlass, da gleich drei Autoren sich mit ihrer Religionskritik auf das Glatteis der Intoleranz oder der Ignoranz begaben. Da ist zunächst der islamkritische Beitrag von Marco Meng, dem in vielem durchaus zuzustimmen ist. Nicht jedoch in jenem Zitat, in welchem dem Islam jeglicher Beitrag - wissenschaftlicher oder kultureller Natur - für die Menschheit abgesprochen wird. Diese Behauptung ist schlicht falsch, denn zumindest im hohen Mittelalter war es die islamisch-arabisch-persische Kultur, die Naturwissenschaft und Philosophie in Europa trugen und voranbrachten. Genannt seien - pars pro toto - Abu Rusd, genannt Averroes (12. Jahrhundert) und der Mathematiker Abu Ali Sina, genannt Avicina (11. Jahrhundert). Weiter unten dann die reichlich polemische Attacke des Robert Seidenath auf den Papst, dem er Manipulation der Wirklichkeit - was immer das heißen soll - vorwirft. Nach Benedikt XVI. seien Wissenschaft und Technik unwichtig, wichtig allein sei der Katholizismus. Dies ist, mit Verlaub, grober Unfug: Der Feldzug des Papstes gegen den Hedonismus der heutigen Zeit zielt auf die unzweifelhaft vorhandene Sucht vieler - allzu vieler - Zeitgenossen, hemmungslos und ausschließlich dem Genuss in allen seinen Spielarten zu frönen (Stichwort Spaßgesellschaft!). Dass der Papst dies geißelt, ist ganz sicher legitim, denn die uns bedrohende Überalterung der Gesellschaft ist direkte Folge dieser Geisteshaltung (Motto: Kinder - nein, danke!). Im Leserbrief daneben wettert Hartmut Schrör gegen den Widerstand gewisser Politiker aus dem linken Lager gegen eine vor dem Plenum des Bundestages geplante Papstrede, was er weitschweifig mit dem Widerstand der Kirche gegen die Aufklärung begründet, die allein das Parlament ermöglicht hätte. Merkwürdig nur: In England besteht das Parlament seit dem 17. Jahrhundert - trotz einer alles andere als areligiösen Regierungsform. Im Übrigen: Die Ehre, vor dem Bundestag zu sprechen, wird in aller Regel Staatschefs und/oder Größen aus Geisteswissenschaft, Kultur, Wirtschaft und so weiter gewährt, keineswegs jedoch Religionsführern, etwa dem Dalai Lama. Der Papst erfüllt indes beide Kriterien: Er ist zum einen Souverän des Vatikans, zum anderen - noch immer - eine weltweit gehörte Stimme in ethischen und moralischen Fragen der Menschheit. Dies hätten der Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz (SPD) und Sie, Herr Schrör, bedenken müssen. Helmut Körlings, Traben-Trarbach