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Zu unserem Artikel "Eine Maschine wird zum Künstler" (TV vom 30./31. Juli):

Meinung

Ablenkungsmanöver vor dem Dom
Der Roboter im religiösen Kontext des Domes und der Wallfahrt 2012 zeigt deutlich, wie recht Karl Marx mit seinem berühmten Vergleich hatte. Da druckt eine Maschine einen Text aus. Anhand von Bewegungsbefehlen pro Buchstabe wird eine Schreibfeder mit Tinte übers Papier bewegt. Der Text ist lang und heilig, pro Buchstabe gibt es "mindestens zehn" Befehle. Was wird in den Medien und in den Köpfen vieler Menschen daraus? "Die Maschine (!) wird zum Künstler". "Sein starker Arm (!) bewegt sich …"; "… eine enorme Datenmenge musste programmiert werden …"; "erinnert mich an einen Mönch". Seien wir doch ehrlich: Die Installation ist technisch brillant, aber selbst nicht die Spur kreativ und schon gar nicht intelligent. Sie schreibt nicht die Bibel ab, sondern wird mit Codes gefüttert und führt diese aus. Das heißt bei Menschen im ersten Schuljahr "rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf". Der Text könnte aber auch "Das Kapital", der "Casanova" oder das örtliche Telefonbuch sein. Die Maschine lernt nichts und kennt keinen wirklichen Unterschied zwischen Alpha, Omega und einer Leerstelle. Die enorme Datenmenge, die programmiert werden musste, besteht aus zehn Befehlen mal 26 Buchstaben. Der Roboter vor dem Dom wird noch bis zur Wallfahrt 2012 beschäftigt sein und die Menschen, die er fasziniert, davon ablenken, dass täglich weltweit 30 000 Menschen verhungern. Er sollte die Namen der hierfür Verantwortlichen aufschreiben. Oder die Namen der Opfer. Das wäre ein Kunstwerk. Günter Blatt, Schillingen