Religion

Zu den Artikeln "500 Jahre Reformation: Auch Katholiken feiern Luther" und "Zehn neue Thesen [... ]" (TV vom 2. Januar):

Mit Erstaunen fiel mein Blick auf die Titelseite der ersten Volksfreund-Ausgabe im neuen Jahr. Waren da in Text und Bild doch nicht aktuelle Ereignisse aus Politik und Gesellschaft oder gar banale Alltagsthemen wiedergegeben, sondern die Erinnerung an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren und deren Bedeutung für unsere Gegenwart. Am Anfang des Jahres ein tiefgreifendes und inhaltsreiches Thema, das verdient besonderen Respekt! Mein Erstaunen erweiterte sich zur beeindruckten Anerkennung, wie es in journalistisch gebotener Zusammenfassung gelungen war, die Ausgangsthematik der Reformation treffend darzustellen (etwa durch das Zitat von Superintendent Weber) und dann die Brücke zur heutigen bedeutungsvollen ökumenischen Weite zu schlagen. Unter diesem Gesichtspunkt können auch "Katholiken Martin Luther feiern", so wie auch Bischof Ackermann die Gemeinsamkeiten bei den anstehenden Reformationsfeiern als wichtigen Schritt für die Ökumene sieht. Auch die gelungene originelle grafische Darstellung mit zehn fiktiven thesenhaften Empfehlungen Luthers an die heutige Gesellschaft haben keine konfessionellen Grenzen. Mit diesem begrüßenswerten Start in das neue Jahr verbinde nicht nur ich die Hoffnung und den Wunsch, dass allgemein die Offenheit und die Bereitschaft wachsen, sich wieder auf verschüttete geistliche Grundlagen und Werte unserer Kultur und unserer ganzen menschlichen Existenz zu besinnen. Denn in der oft beängstigenden Vielschichtigkeit gegenwärtiger Geisteshaltungen, die in allen Schattierungen von erklärtem Atheismus bis zu religiösem Fanatismus extremster Form reicht, ist die Besinnung auf die elementaren Grundwerte unseres Christseins umso wichtiger. Diese sind in konzentrierter biblischer Begrifflichkeit als Glaube, Hoffnung und Liebe benannt, die es im persönlichen Leben wie in gesellschaftlichen Relationen immer wieder neu zu entdecken, zu gestalten und zu bewähren gilt. Das ist nicht nur ein protestantisches Anliegen zum Reformationsgedächtnis, sondern eine stets aktuelle Aufgabe aller Christen. Hans Jürgen Schank, Olzheim-Knaufspesch