Religion

Zum Artikel "Versöhnung in schwierigen Zeiten" (TV vom 22. Januar) und zum Islam:

Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagt, der Dialog mit den Muslimen bewege sich "auf dünnem Eis". Das ist sehr zurückhaltend ausgedrückt. Er hätte wohl auch sagen können: Ein Dialog mit den Muslimen ist von theologischer Natur aus unmöglich. Ich vergesse nicht, welch ein Aufschrei bei den Muslimen und den meisten deutschen Parteien entstand und welch ein Sturm der Entrüstung durch den deutschen Medien-Blätterwald losbrach, als Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Rede sich erdreistet hatte, einen oströmischen Kaiser zu zitieren. Dabei musste der Mann es ja wissen, als er einen ranghohen Muslim fragte: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten." Ich vergesse nicht, wie die damalige und heutige Bundeskanzlerin nichts Eiligeres zu tun hatte, als den Papst in aller Öffentlichkeit zu maßregeln. Ich vergesse nicht, wie viele Leute aus der Ecke der Grünen und der Linken, viele andere auch, nach der Wiedervereinigung lautstark forderten, die Bundeswehr abzuschaffen, den "Polizeistaat" abzuschaffen, indem man die Polizeipräsenz verringert, alles, vor allem die Bildung, dem persönlichen Egoismus unterzuordnen und so der Respektlosigkeit in unserer Gesellschaft Vorschub leistete und über die Forderung nach einer Multikulti-Gesellschaft die Bildung von Parallelgesellschaft begünstigte. Nun schreit alles wieder nach einer starken Hand. Ich vergesse nicht, dass man, wenn man die Problematik des Islams anspricht, zu hören bekommt: "Ja, aber die Christen haben …" Als wenn das nicht bekannt wäre und gut aufgearbeitet ist, aber erstens nichts mit der heutigen Situation zu tun hat und zweitens nur vom geschichtlichen Islam ablenkt. Ich werde nicht vergessen, dass die mahnenden und wissenschaftlich begründeten Stimmen seit Jahren unterdrückt werden, nun aber recht bekommen (müssen). Ich will auch nicht leugnen, dass wir uns in einer Auseinandersetzung der Kulturen befinden, dass diese Veränderungen sich in Gewalt äußern und nicht aufzuhalten sind. Dass aus diesem Chaos eine andere, neue Welt hervorgehen wird, wie auch immer sie aussehen mag. Es ist der Kampf der Gesellschaften der Menschenrechte gegen ein uraltes radikales Gottesbild. Vor wenigen Tagen antwortete der türkische Premier Ahmet Davutoglu auf die Frage eines Journalisten, wie er das Handeln der Kanzlerin in der Flüchtlingsfrage beurteile, Frau Merkel habe mit ihrer Haltung Hunderttausenden Muslimen das Leben gerettet. Von Menschen war keine Rede. Im Westen würde niemand umgekehrt von geretteten Christen sprechen. Nur von Menschen. Hans Greis, Wawern

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