Motorsport: Reservat der Vollgasbranche?!

Motorsport : Reservat der Vollgasbranche?!

Zur Berichterstattung über das Eifel-Rallye-Festival, das von einem schweren Unfall überschattet war, schreiben Winfried Herberich und Klaus Franken:

In einem Beitrag wird die Veranstaltung vollmundig als „Hochamt des historischen Rallyesports“ angepriesen. Um ein Haar wäre ein Requiem daraus geworden. Nach einem solch tragischen Ereignis wie in Darscheid mit Verletzten und Schwerverletzten hätte die Veranstaltung abgebrochen und ersatzlos gestrichen werden müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch Tote gibt. Wollen Veranstalter und genehmigende Gemeinden und Behörden dieses Risiko eingehen?

Dabei überwiegen die Nachteile, zum Beispiel der Imageschaden für das den sanften Tourismus preisende „Gesundland Vulkaneifel“. Nichts ist sanft und gesund an dieser Art, eine ganze Region mit Lärm und Abgasen zu belasten. Es ist ja nicht nur die Rallye, es sind ja die vielen motorsportlichen Veranstaltungen auf dem Nürburgring und die damit verbundenen umweltbelastenden Begleiterscheinungen, es sind auch die Horden von Motorradfahrern, die an den Wochenenden durch die Eifeldörfer krachen und eine ganze Gegend verlärmen. Es hat den Anschein, als sollte eine ganze Region als Reservat für die Vollgasbranche geopfert werden. Andernorts hat man sich, was Zukunftsplanung angeht, mit dem Abgesang auf den Verbrennungsmotor abgefunden. Im Vulkaneifelkreis toben sich unter dem Deckmäntelchen der Historie auch die besonders schadstoffausstoßenden Vehikel aus.

Die, denen es Spaß macht, bei solchen Veranstaltungen dabei zu sein und die, die meinen, Geld damit zu machen, sollten sich überlegen, ob eine verantwortungsvolle, unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten handelnde Gesellschaft sich solche Dinge noch leisten kann. Genauso wenig wie wir uns Massentourismus, Billigflüge, industrielle Landwirtschaft, Autobahnen, Lückenschluss und, und, und noch leisten können. Wir müssen lernen zu verzichten, damit wir mittelfristig und langfristig gewinnen. Auch Verzicht kann Spaß machen.

Winfried Herberich, Senscheid

Zum Kommentar „Sicher machen oder verbieten“ (TV vom 20./21. Juli):

Zu den Äußerungen von Lars Ross ist Folgendes anzumerken: Eine Rallye-Veranstaltung muss nicht – im Gegensatz zu vielen Fußballspielen – auf Kosten der Steuerzahler vor, während und nach Beendigung polizeilich gesichert werden.

Beim Fußball kommen hinzu: Verletzte durch Feuerwerkskörper, Schlägereien der sogenannten Fans, die behandelt werden müssen.

Auch Randale auf Bahnhöfen sowie beschädigte Zugabteile gehören bei den so oft gepriesenen Fußballspielen doch zur Tagesordnung an vielen Wochenenden. Hat man Ähnliches schon einmal von einer Rallye-Veranstaltung gehört?

Selbst militärische Konflikte sind schon durch Fußballspiele ausgelöst worden, ich erinnere an den  „Fußballkrieg“ zwischen El Salvador und Honduras im Jahr 1969. Solches ist mit Sicherheit nach einer Rallye-Veranstaltung nicht zu erwarten.

Natürlich ist jeder Verletzte oder Tote einer zu viel, gleich bei welcher Veranstaltung.

Vielleicht lässt sich Herr Ross im nächsten Jahr vom Veranstalter der Rallye einladen und nimmt Einblick in das im Vorfeld mit großer Sorgfalt erarbeitete Sicherheitskonzept.

Klaus Franken, Daun

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