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Luftfahrt: Rettung zum Schnäppchenpreis, fürstlich verzinst

Luftfahrt : Rettung zum Schnäppchenpreis, fürstlich verzinst

Zum Leserbrief „Von wegen kalt erwischt!“ über die Rettung der Lufthansa (TV vom 2. Juli) schreibt Philipp Wahlster:

Mit Kopfschütteln habe ich den Leserbrief von Dr. Andreas Wagner über die Rettung der Lufthansa gelesen. Der Schreiber hat wohl den Eindruck bekommen, dass der Staat der Lufthansa, die unverschuldet in die tiefste Krise der weltweiten Luftfahrtgeschichte gerutscht ist, Geld schenken würde.

Er vergisst dabei leider, dass der Staat die 20 Prozent Anteile am Unternehmen zum Schnäppchenpreis von 2,56 Euro pro Aktie erhält und sich die Einlagen mit bis zu 9,5 Prozent fürstlich verzinsen lässt. Der Lufthansa-Konzern war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich und hat solide gewirtschaftet. Dabei haben sich über vier Milliarden Euro an Rücklagen angehäuft, die jetzt mit etwa eine Million Euro pro Stunde abfließen, ohne dass Geld in die Kasse kommt. Die Luftfahrt ist ein sehr kapitalintensives Geschäft. Zu glauben, man könnte für einen monate- oder jahrelangen Einnahmeausfall Rücklagen bilden, zeigt, dass wenig Verständnis für die Vorgänge in dem Geschäft vorhanden ist. Für die 138 000 Mitarbeiter der Lufthansa wird es in den nächsten Jahren harte Einschnitte geben, damit die Zinsen und Tilgung an den Staat zurückbezahlt werden können. Polemisch zu schreiben, dass jeder Bürger der Lufthansa 100 Euro schenken würde und dabei zu glauben, dass der Staat ein guter Unternehmer sei, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Philipp Wahlster, Trier