Ross und Reiter nennen

Zum Artikel "Frostschutz im Wein" (TV vom 14./15. Juni) erhielten wir diese Zuschrift:

In diesem Bericht werden leider Ross und Reiter nicht genannt. Wenn man berichtet, dass eine Trierer Sektkellerei bei einer Routinekontrolle wegen 1,7 Millionen Liter mit Frostschutz gefälschten Weines aufgefallen ist, sollte man klar differenzieren zwischen Weinimport-Kellereien und den Betrieben, welche nachvollziehbar heimische Weine verarbeiten. Der Gesetzgeber schreibt klar und eindeutig vor, dass es sich bei der Angabe "Deutscher Sekt" oder "Mosel-Sekt" auf dem Etikett um Sekt handeln muss, der zu 100 Prozent aus Weinen der angegebenen Herkunft stammt.Viele Sektmarken mit Fantasie-Bezeichnungen, die hierzulande aus importierten Weinen erzeugt werden, lassen leider beim unbedarften Verbraucher den Eindruck entstehen, dass es sich um Produkte aus deutschem Wein oder sogar Moselwein handelt. Dabei haben diese Sekte, die etwa als "Schloss XY" in den Handel gebracht werden, nichts mit der Herkunft Deutschland oder Mosel zu tun, sie sind lediglich von deutschen Kellereien in Deutschland aus ausländischen Weinen hergestellt worden. Laut einer Verbraucherbefragung glauben 99 Prozent der Verbraucher, dass alle in Deutschland produzierten Sekte tatsächlich aus in Deutschland gewachsenen Weinen stammen. In Wirklichkeit sind aber nur etwa zehn Prozent der in Deutschland erzeugten Sekte aus deutschem Wein hergestellt. Rund 90 Prozent stammen dagegen aus Billig-Importweinen - genau der Bereich, in dem nun auch Fälschungen mit Glycerin-Zusätzen festgestellt wurden. Nur wenn auf dem Etikett "Deutscher Sekt" steht, muss der verwendete Wein zu 100 Prozent aus deutschen Anbaugebieten stammen. Der Sitz der Sektkellerei sagt nichts über die Herkunft aus. Nur wenn auf dem Etikett die Anbauregion, zum Beispiel Mosel, steht (Sekt b.A. bedeutet Sekt aus Weinen eines bestimmten deutschen Anbaugebietes), muss der Sekt zu 100 Prozent aus Weinen des genannten Weinanbaugebietes stammen. Das wird durch die staatlichen Behörden überwacht und kontrolliert. Fantasie-Namen mit einem regionalen Bezug sagen dagegen überhaupt nichts über die Herkunft aus, auch wenn sie eine Verbindung zu einer bestimmten Anbauregion oder zu bestimmten (Wein)-Orten suggerieren. Haben die heimischen Winzer, die entscheidend zum Erhalt einer der wertvollsten Weinkulturlandschaften beitragen, es nicht verdient, dass offen und differenziert berichtet wird? Ökonomierat Adolf Schmitt, Präsident des Weinbauverbandes Mosel-Saar-Ruwer, Trier Wein