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Politik: Schauderhafte Phrasen

Politik : Schauderhafte Phrasen

Zum Interview „,Die SPD muss mehr Eifel wagen’“ (TV vom 14. September) schreibt Egon Sommer:

Mit der Überschrift war meine Neugier geweckt. Als Rebellen(!) der SPD werden sie im Rubrum bezeichnet. Als frustriertes SPD-Mitglied, das Erleuchtung erhoffte, war ich aber sehr schnell wieder auf dem harten Boden der Realität.

Dafür sorgte der einleitende Text zum Interview von TV-Redakteur Florian Schlecht mit den zwei rheinland-pfälzischen Opportunisten Nils Heisterhagen und Joe Weingarten. „Was sind das für Vögel bei euch in der Parteispitze?“, platzte ein neugieriger Imbissgast in das TV-Gespräch, das Florian Schlecht mit seinen zwei Gästen über den Zustand der SPD zu führen gedachte. „Macht ihr das doch“, meinte der Imbissgast zu den beiden Interviewten, was Schlecht zu der Anmerkung veranlasste, dass der Gedanke manchen Genossen in Rheinland-Pfalz schaudern lässt.

Mich hat’s geschaudert beim Lesen des Interviews. Es ist deshalb aus meiner Sicht müßig, inhaltlich nochmals auf das Gespräch mit den beiden SPD-Unglücksraben einzugehen.

Interessant an diesem fast seitenfüllenden TV-Gespräch ist das, was die beiden Politikspezialisten Heisterhagen und Weingarten als Maßstab für künftige Erfolge der Sozialdemokraten offenbarten. Die der SPD scheinbar abhanden gekommenen Tugenden waren ganz und gar nicht das Thema der Interview-Kakophonisten.

Für mich waren die phrasenhaften Antworten pure neoliberale Forderungen, die die SPD zurzeit nicht braucht, weil schon im Übermaß als CDU/CSU/FDP-Ideologie in Wirtschaftsfragen belegt. Die abwertenden Bemerkungen Heisterhagens zur Parteivorsitzenden Saskia Esken einerseits und Weingartens schwärmerische Worte zum Wirtschaftsforum der SPD und dem Seeheimer Kreis andererseits laufen komplett an den Ursprungszielen der Sozialdemokratie, die man hier nicht ausdrücklich wiederholen muss, vorbei. Bemerkenswert ist für mich auch, dass der heute als Buchautor tätige Heisterhagen Grundsatzreferent für die rheinland-pfälzische Landtagsfraktion war, ehe sich die Genossen von ihm trennten (warum wohl?). Weingarten ist rheinland-pfälzischer Bundestagsabgeordneter und Nachrücker von Andrea Nahles und soll sich wegen Aussagen gegen Flüchtlinge unbeliebt gemacht haben.

Alles in allem ein Interview, auf das der TV ohne Verlust hätte verzichten können. Dazu zugegebenermaßen noch ein Geständnis von mir, dass ich den Satz „Die SPD muss mehr Eifel wagen“ bis heute nicht verstanden habe.

Egon Sommer, Tawern