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Kunst: Scheinheilige Empörung, kalte Arroganz

Kunst : Scheinheilige Empörung, kalte Arroganz

Zum Artikel „Kunstakademie: Eine neue Ära naht“ (TV vom 7. August) schreiben Gisela Weber, Eva Vahjen und Waltraud Jammers:

„… Dozenten sorgen sich deswegen“, schreibt Katharina de Mos. Als eine eifrige Besucherin der Veranstaltungen der Europäischen Kunstakademie sorge auch ich mich nach der Lektüre des Artikels. Sie zitieren die Stellenanzeige, in der es heißt, künftig solle die Kunsthalle der Akademie als Ort der Gegenwartskunst „entwickelt“ werden. Was war sie denn bisher? Obwohl eine Kunstakademie a priori ein Ort des Kunststudiums ist, erinnere ich mich an zahllose begleitende Ausstellungen der Gegenwartskunst. Wenn keine berühmten zeitgenössischen Künstler ausgestellt wurden, fehlte dafür sicher bisher nicht der Wille, sondern vermutlich die finanzielle Unterstützung der Stadt. Wenn Kulturdezernent Thomas Schmitt diese Mittel ab Januar bereithalten will, warum dann nicht schon eher?

Von der momentanen Leitung der Akademie wurden nach meinem Erfahren sehr viele Veranstaltungen realisiert, um nicht nur die Europäer, sondern auch die Trierer für die Akademie zu gewinnen, immer bemüht, ein gutes Niveau für alle bereitzustellen. Dass die Jugend für die Kunst begeistert werden sollte, steht außer Frage. Das scheint der Grund zu sein, warum vor einigen Jahren die Programme für die Jugend neu in die Akademie eingebracht wurden. Also auch da kann getrost in bereits eingetretenen Wegen weitergegangen werden.

Nur bitte, Herr Schmitt, machen Sie aus unserer Europäischen Kunstakademie nichts Mittelmäßiges!

Gisela Weber, Trier

Viele Jahre bin ich Kursteilnehmerin an der Europäischen Kunstakademie in Trier und habe dort auch ein dreijähriges Studium mit dem Diplom abgeschlossen. In diesen Jahren habe ich die Qualität der Kurse und der Dozenten der EKA schätzen gelernt, auch wenn es andere Dinge zu kritisieren gab.

In dem Artikel über die künftige Ausrichtung der Kunstakademie Trier fordert der Kulturdezernent, Herr Schmitt, dass die EKA nach 42 Jahren ihres Bestehens ins Stadtleben eingebunden werden soll. Was ist eigentlich vonseiten der Stadt in den letzten 42 Jahren in dieser Richtung unternommen worden? Sind Ausstellungen mit Hinweisen im Veranstaltungskalender beworben worden? Ist eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet eingefordert worden? Sind Ratsherren und Ratsfrauen des Kulturausschusses selbst einmal dort gewesen? Ich fürchte, all dies ist in 42 Jahren nicht geschehen. Sich jetzt zu empören, dass Trierer Bürger die EKA nicht kennen würden, ist scheinheilig! Und zu glauben, dass man das mit einem neuen, inhaltlich flacheren Kurs-Konzept erreicht, ist Dummheit. „Den Trierern“ mit diesem Ansatz gleichzeitig zu unterstellen, für inhaltlich anspruchsvolle Kunstkurse ungeeignet zu sein, ist kalte Arroganz, die man sich erst einmal trauen muss.

Die Tatsache, dass an der Kunstakademie mehr auswärtige Teilnehmer, sogar aus dem Ausland (in der Mehrheit Luxemburg), unterrichtet würden, kann nur jemanden wundern, der die Bezeichnung der Akademie für nebensächlich erachtet und die finanzielle Förderung durch das Land, die ja höher ist als die der Stadt, negiert.

Aber vielleicht ist es ja stadtplanerisch durchaus gewollt, dass es Kunst auf diesem „Immobilien-Sahnestückchen“ in zehn Jahren, wenn die Aachener Straße verkehrsberuhigt ist, nicht mehr geben soll. Warum dann nicht gleich ehrlich sein und offen darüber diskutieren. Wäre nicht das erste Mal, dass Kunst den Weg für hippe und teure Wohnungen bereitet.

Dann kann man es sich auch sparen, Jugend- und Kinderkurse wie einen Schild vor sich herzutragen. Weshalb nicht beides gehen soll, Jugendkunstkurse und qualitativ hohe Erwachsenenkunstkurse, erschließt sich mir nicht.

Kunst ist kein billiges „Hobby“, und jenseits des Hobbys wird es noch teurer. Pro Tag habe ich neben den Kursgebühren für Unterkunft und so weiter zwischen 80 und 100 Euro in der Trierer Wirtschaft gelassen. Für einen zweiwöchigen Kurs kommen da schnell 1000 Euro zusammen, ohne Kursgebühr. Es wäre interessant, dies einmal auf alle Kurstage der auswärtigen Teilnehmer hochzurechnen. Offenbar scheint das neue Konzept aber mehr zahlende Übernachtungsgäste zu bringen.

Nun ja, es gibt andere Akademien, die die Lücke einer qualitativ hochwertigen Ausbildungsmöglichkeit jenseits der Hochschulen gerne füllen werden und deren Kulturdezernent mir nicht das Gefühl gibt, nicht willkommen zu sein.

Eva Vahjen, Meckenheim

Der 8. August: Das letzte Sommerfest der bald scheidenden Leiterin der Europäischen Kunstakademie, Dr. Gabriele Lohberg. Schon die vielen fremden Autokennzeichen, die man an der Aachener Straße sieht, lassen erkennen, von woher sie kommen, die Gäste, die Kursteilnehmer und die Dozenten. Sie wollen die 23 Jahre feiern, in denen Frau Lohberg die Akademie zu einem unverwechselbaren Teil der Kultur Triers weiterentwickelt hat. Erich Kraemer, renommierter Künstler und Gründervater, hätte seine Freude daran gehabt. Er überzeugte die Stadtverwaltung Mitte der 70er Jahre mit seinem Konzept der Akademie als einem Ort des gegenseitigen Lernens und Lehrens von Jung und Alt. Katrin Hülsmann, die Vorsitzende des Freundeskreises der Akademie, vermittelte das Wir-Gefühl durch ihre liebenswürdige Vorstellung und ihren Dank an Frau Lohberg und ihre Mitarbeiter. Hätte der anwesende Kulturdezernent auch ein paar Worte des Grußes und der Anerkennung an die Leiterin des Hauses und ihr Team gerichtet, so wäre das Sommerfest noch vollkommener gewesen.

Waltraud Jammers, Trier