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Schikanöse Widrigkeiten

Schikanöse Widrigkeiten

Bischof Marx hat sich in dem TV-Interview ebenso wie jüngst die deutsche Bischofskonferenz zu der Hl. Messe im klassischen römischen Ritus geäußert. Danach sei die Zahl der daran teilnehmenden Gläubigen auf seit Jahren konstant niedrigem Niveau.

Alleine diese Tatsache ist in Zeiten ansonsten dramatisch zurückgehender Besucherzahlen von Gottesdiensten durchaus als Erfolg zu werten. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass es den Interessenten an einer Hl. Messe im tridentinischen Ritus nicht gerade leicht gemacht wird. Sofern sie diesen Ritus innerhalb der katholischen Kirche und in voller Einheit mit Bischof und Rom feiern wollen (und nicht zu der aus verschiedenen Gründen problematischen Piusbruderschaft abwandern), sind viele Hindernisse zu überwinden. So gibt es in Deutschland zahlreiche Diözesen, in denen trotz der Bitte von vielen Gläubigen keine Sonntagsmesse im klassischen Ritus erlaubt wurde, in anderen nur alle paar Wochen und/oder in schwierig zu erreichenden Kapellen zu ungünstigen Zeiten. Dass sich bei solchen zum Teil schikanösen Widrigkeiten die Zahl der Messbesucher in Grenzen hält, ist nachvollziehbar. Es drängt sich aber der Eindruck auf, als sei dies von manchem Bischof beziehungsweise dessen Umfeld so gewollt. Dies muss man dann aber auch bei der Wertung von Teilnehmerzahlen an Hl. Messen im klassischen Ritus fairerweise mit berücksichtigen und nicht fast zynisch auf die niedrige Teilnehmerzahl verweisen. Bischof Marx hat Gott sei Dank nach langen Bemühungen seit zwei Jahren eine Hl. Messe im tridentinischen Ritus an jedem Sonn- und Feiertag in der Kirche St. Magdalena der Weißen Väter in der Dietrichstrasse jeweils um 15 Uhr erlaubt. Allerdings sind auch in Trier manche Bedingungen der Hl. Messe sehr hinderlich, so der insbesondere für Familien ungünstige Messbeginn um 15 Uhr, der immer wieder wechselnde Priester und die fehlende Erlaubnis für das volle sakramentale Leben mit Erstkommunion und Firmung. Es finden sind aber trotzdem immerhin zwischen 30 und 70 Gläubige zur Missa Tridentina ein. Viel mehr Gläubige sind es in mancher anderen Innenstadtkirche oft leider auch nicht mehr. Die Kirche in Deutschland hat schon zu viele Gläubige verloren und sollte nicht gerade die "Treuesten der Treuen" im Stich lassen. Ich hoffe sehr, dass Papst Benedikt XVI. bald Regelungen erlässt, die die Feier der Hl. Messe im überlieferten Ritus überall und ohne Einschränkungen für alle Priester und Gläubigen zulässt, die dies wünschen. Was würde denn auch ernsthaft dagegen sprechen? Wem würde damit geschadet? Niemand ist gezwungen, eine Missa Tridentina zu besuchen. In der Pluralität der katholischen Kirche, in der so viele Variationen von Gottesdienstgestaltungen möglich sind, sollte aber auch der über Jahrhunderte gepflegte tridentinische Ritus seinen festen Platz haben. Dr. med. Stefan Schilling, Trier