Schlichtweg ein Skandal

Zum schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt:

Dieser Unfall ist nach vorläufigen Ermittlungen auf menschliches Versagen (Lokführer des Güterzugs soll ein Haltesignal überfahren haben) zurückzuführen. Bereits Ende der sechziger Jahre wurde bei der Deutschen Bundesbahn auf Hauptstrecken die sogenannte Indusi (Induktive Zugbeeinflussung) eingeführt. Hierzu wurden an den Strecken und Fahrzeugen Gleismagnete und an den Fahrzeugen Fahrzeugmagnete angebracht. Selbst die letzten Dampfloks wurden noch mit dieser Indusi ausgerüstet. Bei Warnstellung eines Hauptsignals geben diese Gleismagnete einen elektromagnetischen Schwingkreis in bestimmten Frequenzen ab. Die am Fahrzeug angebrachten Magnete sind auf diese Frequenzen eingestellt. Reagiert der Lokführer beim Überfahren dieser Magnete nicht, so wird der Zug automatisch abgebremst. Nur im Störungsfall oder beim Ausfall der Indusi dürfte diese Strecke kurzfristig mit bis höchstens 100 Stundenkilometern befahren werden. Alle auf den Hauptstrecken eingesetzten Fahrzeuge mussten eine wirksame Indusi haben.

Sollte tatsächlich im Jahr 2011 noch eine Hauptstrecke der Bahn AG nicht mit dieser Indusi und den entsprechenden Gleismagneten ausgerüstet sein, so wäre dies schlichtweg ein Skandal. Bei der Indusi handelt es sich um eine präzise wirkende Einrichtung, die derart geschaltet ist, dass sie immer zu der sicheren Seite hin wirkt. Mit wirksamer Indusi wäre es zu diesem Unfall nicht gekommen, selbst bei einem Fehler des Lokführers (zum Beispiel Übersehen eines Haltesignals) wäre der Zug automatisch abgebremst worden. Für die Toten und Verletzten kommt diese Erkenntnis leider zu spät.

Alois Thommes, Saarburg

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