1. Meinung
  2. Leserbriefe

Gesundheit: Schlimm, diese Jammerlappen!

Gesundheit : Schlimm, diese Jammerlappen!

Zur Berichterstattung über die Corona-Krise schreiben Joachim Sels, Bernard Bölinger und Günter Schmitz:

Als überregional tätiger Elternbeirat und Mitbetreuer einer über 90-jährigen Mutter mache ich mir täglich Gedanken zu jedem Kontakt, den ich (60 Jahre) oder meine im Hause lebende Familie gehabt haben. Für die Zeit des Shutdowns auch der Schulen war dies eine recht einfache Übung: Home-Office, 1 x die Woche einkaufen, 1 x Essen beim Gastwirt um die Ecke abholen, gelegentliches Tanken, ein paar Gespräche „über den Gartenzaun“, Blumen für den ersten Mai und das war‘s schon. Und immer problemlos Sicherheitsabstand eingehalten. Ausnahme bildeten übrigens nur einige drängelnde Senioren an den Supermarktkassen, ein Umstand, den ich nur deshalb erwähne, weil ich das aus diversen Telefonaten auch von diversen anderen Bekannten bestätigt bekommen habe, denen ähnliches widerfahren ist. Das hat mit Diskriminierung übrigens nichts zu tun (daher auch Altersangabe meinerseits ...).

Seit Montag geht meine Tochter wieder zur Schule und trifft dort ganz selbstverständlich auf andere Kinder, die nicht mit dem eigenen PKW gebracht werden können, sondern auf den Bus angewiesen sind. Und da stelle ich mir die Frage, warum das Thema Sicherheitsabstand und umfangreiche Hygienemaßnahmen zwar für die letzte Kneipe, den Bäcker um die Ecke, ja selbst Golf- und Tennisplätze, aber nicht für den ÖPNV zu gelten scheint (siehe auch Volksfreund-Bericht von vor einigen Tagen). Die Antwort ist einfach, wie folgende Rechnung unschwer erkennen lässt. Ein hochmoderner Linienbus ist bis zu 12 Meter lang und 2,20 Meter breit (Modell Citaro 12 m) , verfügt standardmäßig über rund 30 Sitzplätze und befördert zu regulären Zeiten bis zu 100 Menschen. Bei einem extra reduzierten Sicherheitsabstand von nur einem Meter könn(t)en jetzt maximal 20 Menschen transportiert werden. Und wenn wie überall sonst ein Abstand von 1,50 Metern strickt eingehalten werden muss, dann wären es nur noch maximal elf! Und dabei verhält es sich beim ÖPNV nicht etwa wie in der Gastronomie oder in Fitness-Studios, auf Golfplätzen oder Tennisanlagen. Dort gelten allerstrengste Auflagen – nicht nur betreffend die Abstände, sondern auch ganz genaue Vorgaben zur Erfassung von Personaldaten der Gäste. Es ist traurig, dass speziell aus der Ecke der Grünen, die sich ja immer ganz besonders engagiert für unsere Umwelt einsetzen, keine konstruktiven Vorschläge zur Problemlösung dieser Infektionsverbreitungsschleuder ÖPNV gemacht werden. Hier wünsche ich mir dringend die mancherorts unerwünschte Öffnungsdiskussionsorgie, denn diese hätte angesichts des Problems längst geführt werden müssen. Das Problem muss umgehend wirksam gelöst werden, denn Corona wird uns über einen sehr langen Zeitraum begleiten.

Joachim Sels, Ralingen

Zum Artikel „Zu wenig Platz, zu wenig Masken: Lehrer schimpfen aufs Ministerium“ (TV vom 13. Mai) und weiteren Beiträgen zum Thema:

Die ganze Welt kämpft gegen die Pandemie; viele Menschen sind ihr zum Opfer gefallen, und dann das: Lehrer und Lehrergewerkschaft bejammern den Schulbeginn und die damit verbundenen Widrigkeiten die da sind, zu wenig Platz, zu wenig Masken und zu wenig Personal. (Was die Abstandsregeln und die Masken betrifft, sind natürlich auch die Eltern gefordert.)

Ja, da konnten die Lehrer seit nunmehr über zwei Monaten bei vollen Gehältern zu Hause verbringen und dann diese Widrigkeiten, da hätte man doch offenbar lieber bis nach den großen Ferien weiterhin zu Hause gesessen, kann man dem TV-Bericht entnehmen. Offenbar wird erwartet, dass die Ministerin persönlich die Umstände in jeder Schule richtet, Wo bleibt da die Kreativität eines wichtigen und geschätzten Berufsstandes, der mit diesem Gejammere niemandem weiterhilft? Wo bleibt da in dieser für alle schweren Zeit die Solidarität mit der Gesellschaft?

Da bin ich doch froh, dass meine Enkel nicht die Schulen der Herren Schreiner und Riedel besuchen müssen, denen zu den besonderen Umständen nichts anderes als „Augenwischerei und Kokolores“ einfällt.

Und da bietet der TV mit seinen dünnen „Sommerlochblättchen“ dem Gejammer eine breite Plattform und reiht sich in die Phalanx der Jammerer ein. Da hätte man doch besser einige Seiten mit schönen Bildern aus der Region gefüllt. Da schwillt einem doch der Kamm. Da steht die Welt vor einem Abgrund und dann fehlen in Saarburg und Salmtal und anderswo Masken und so weiter, na so was. Sind diese Herren und ihr Umfeld nur Jammerlappen?

Bernard Bölinger, Konz

Als Vater von drei schulpflichtigen Kindern habe ich die Artikel im Volksfreund zum Thema Schule natürlich mit großem Interesse verfolgt. Im Leitartikel „Klingt gut, ist es aber nicht“ fällt zum Schluss ein Stichwort, das meiner Meinung nach in der ganzen Diskussion untergeht: „Das kommende Schuljahr!“

Ich befürchte nämlich, dass viele Schüler, die jetzt einfach „durchgewinkt“ und versetzt werden, im nächsten nach den Sommerferien auf der Strecke bleiben werden, weil sie dem Tempo dann nicht mehr folgen können.

Ich hätte mir gewünscht, dass man hier den Druck für alle Seiten (Schüler, Lehrer und Eltern) etwas rausnimmt und nicht direkt schon wieder mit Vollgas weiterfährt.

Da man meines Erachtens das zweite Schulhalbjahr eh abschreiben kann, sollte man damit nach den Sommerferien einfach noch mal neu beginnen. Man hätte dann gleichzeitig die Möglichkeit, die kommenden Schuljahre einfach an das normale Geschäfts- und Kalenderjahr anzupassen (das heißt: 1. Januar bis 31. Dezember). Was spielt es im Übrigen am Ende eines hoffentlich langen Lebens auch für eine Rolle, ob ich dann sagen kann: „Ich war zehn oder zehneinhalb Jahre in der Schule!“

Auch wäre jetzt die Möglichkeit da, das ganze Schulsystem auf den Bund umzustellen. Föderalismus ist zwar schön und gut. Aber wie man jetzt bei all den „Lockerungen“ sehen kann, auch nicht immer so zielfördernd, wenn jeder hier sein eigenes Süppchen kocht.

Vielleicht könnte die Politik also die jetzige, coronabedingte Entschleunigung dazu nutzen, zumindest für unsere heranwachsende Generation die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Günter Schmitz, Eckfeld