Schlüssel zum Frieden: Israels Siedlungspolitik

Schlüssel zum Frieden: Israels Siedlungspolitik

Zur Situation im Gaza-Streifen (TV vom 14. Januar) erhielten wir diese Zuschrift:

Auf der Leserbrief-Seite des TV vom 14. Januar beschäftigen sich drei von acht Leserbriefen erstmals mit Israel und der Hamas, alle drei pro Israel und natürlich contra Hamas. Wer versucht etwa nicht, seinen eigenen Standpunkt in dieser blutigen Auseinandersetzung zu finden?

Aber alles, was ich seit Ausbruch des jetzigen Krieges im Gazastreifen an Kommentaren gehört oder gelesen habe, bewegt sich an der Oberfläche und stellt nicht die Frage nach den wirklichen Ursachen.

Die Uno benötigt tagelange Diskussionen, bis sie eine Friedensresolution zustande bringt, die keinen interessiert. Die EU erweist sich als ein ebenso zahnloser Tiger. Israel kann so viel bomben, wie es will, und wird dennoch keine Ruhe bekommen. Das wahre Problem liegt in der Siedlungspolitik Israels, die es den Palästinensern vollkommen unmöglich macht zu existieren, das heißt, einen sich selbst versorgenden lebensfähigen Staat zu bilden.

Erst wenn Israel sich erkennbar von seiner Territorial-Ausweitung auf die annektierten Gebiete verabschiedet und sämtliche Siedlungen auflöst, erst dann gibt es eine Chance zum Frieden. Nur das ursprüngliche Israel ist halbwegs legitim und verdient den Garantiebestand der freien Welt und den absoluten militärischen Schutz durch Europa und die USA. Ich glaube nicht, dass die Palästinenser nicht lernfähig wären. Ihre heutigen Aktionen, so brutal und menschenverachtend sie sein mögen, sind Ausdruck einer vollkommen fehlenden Lebensperspektive. Mag man mich blauäugig, unwissend oder weltfremd schimpfen - nur in die antisemitische Kiste passe ich absolut nicht hinein. Ich weiß mich eins zum Beispiel mit Daniel Barenboim, der mit seinem Jugendorchester West-Östlicher Diwan gegen erhebliche Widerstände im eigenen Lager für ein gleichberechtigtes Nebeneinander beider Völker kämpft. Er hätte längst den Friedensnobelpreis verdient.

Dr. med. Bernhard Gies, Trier

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