Schon lange den Mut verloren

Schon lange den Mut verloren

Wer an gewissen Tagen aufmerksam durch die Trierer Innenstadt geht, kann die Stimmung für Gewalttaten förmlich spüren. Da sammeln sich schon am frühen Nachmittag an bestimmten Stellen Jugendgruppen, die beschönigend ausgedrückt "gut drauf" sind.

Da wird geschrien, gedroht, angemacht, reichlich Alkohol getrunken, gegen Telefonautomaten, Schilder oder Hauswände getreten, die Flaschen werden zerschmettert, der Abfall bleibt einfach liegen. Und was ein Ritual in diesen Kreisen ist: andauernd wird auf den Boden "abgeseihert". Das passiert inmitten von Passanten, die schon lange den Mut verloren haben, diese Auswüchse vor Ort zu kommentieren. So lässt man eine Jugend gewähren, der sonst offenbar keine Grenzen mehr gesetzt werden. Und die spüren das natürlich genau, dass sie sich hier ohne Konsequenzen austoben können. Wer dazu anschauliche Bilder braucht, sollte sich die Busstraße an der Treverispassage ansehen, sich auf den Bahnhofsplatz begeben oder sich einfach mal eine Zeit auf den Hauptmarkt stellen. Es ist nicht verwunderlich, dass sich aus diesem Gebräu im Laufe des Abends die beschriebenen Schlägereien und der überbordende Vandalismus entwickeln. Ich habe mich in den letzten Jahren in zahlreichen mittelgroßen deutschen Städten aufgehalten. Mir kann deshalb niemand erzählen, dass wir es in Trier nicht mit mit einem speziellen Jugendproblem zu tun haben. Martin Steffes, Trier

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