Theater : Schuldig

Zu den Artikeln „Die Freiheit, sich das Leben zu nehmen“ (TV vom 8. September) und „Wenn Leben unerträglich wird“ (TV vom 14. September) über das Theaterstück „Gott“ schreibt Ulla Dieninghoff:

Ferdinand von Schirach ist mir als Schriftsteller und Jurist bekannt. Er hat sich in seinem neuen Theaterstück und Buch mit dem Thema beschäftigt: „Darf der Mensch selbst entscheiden, wann und wie er stirbt?“ Man kann davon ausgehen, dass jeder Mensch einmal im Leben eine Krise durchlebt. Ursachen dafür gibt es viele, Arbeitslosigkeit, Verlust eines geliebten Menschen, Scheidung, Mobbing, sexueller Missbrauch, Depression, eine schwere Erkrankung. Wenn ein Mensch die Entscheidung getroffen hat, sein Leben zu beenden, muss er schon sehr verzweifelt sein. Deshalb sollte jenen Menschen schnelle und jegliche Unterstützung, durch Familie, Freunde, Ärzte, Beratungsstellen, Psychologen und Psychiater zur Verfügung stehen. Sollten diese verzweifelten Menschen jedoch an ihrer Entscheidung festhalten, ihr Leben zu beenden, haben sie nach dem neuen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 das Recht, über ihren Tod selbst zu bestimmen. Fazit: Jeder Mensch hat das Recht, sein Leben zu beenden, wann immer er möchte.

Religiöse Menschen haben es da einfacher. Sie brauchen sich mit vielen Themen erst gar nicht auseinander zu setzen, weil Gott für sie denkt. Obwohl die Existenz von Gott nicht bewiesen ist.

Die katholische Kirche sollte sich in dieser Diskussion, wer entscheidet, wann wir sterben und wie, am besten ganz zurückhalten. Sie betont immer, sie stehe für das Leben und sagt: „Gott hat uns das Leben gegeben, und nur er allein darf es uns nehmen.“ Dazu kann ich nur erwidern, wo war denn die katholische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus, als Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle, Menschen mit körperlich und geistiger Behinderung und psychisch Kranke im KZ gefoltert, verhungert und durch qualvolle, sadistische Menschenversuche grausam gepeinigt wurden? Warum hat die katholische Kirche nicht diesen Satz: „Gott hat uns das Leben gegeben und nur er allein darf es uns nehmen“ in die ganze Welt gerufen? Somit hat sich die katholische Kirche mit schuldig gemacht am Tod von Millionen Menschen. Der Papst und seine Gefolgschaft haben bei diesen großen Verbrechen weggeschaut und geschwiegen. Er hat aber die Soldaten und die Kriegswaffen gesegnet.

Ulla Dieninghoff, Morbach