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Gesundheit: Schwerfällig und bürokratisch

Gesundheit : Schwerfällig und bürokratisch

Zu dem Artikel „Die Lager sind leer“ über fehlenden Grippe-Impfstoff (TV vom 10. Januar) und dem Leserbrief „Ignoranz auf allen Ebenen“ (TV vom 16. Januar) schreibt Heinz Reifferscheid:

Da hakt etwas im deutschen Gesundheitswesen, und zwar so sehr, dass letztendlich Gesundheit und Leben von Patienten gefährdet werden.

Ende März 2016 erlitt ich ausgerechnet auf der „schönsten Seereise der Welt“, einer Hurtigrutenreise  von Bergen bis Kirkenes an der finnisch-russischen Grenze und auf anderer Route zurück, eine schwere beidseitige Pneumonie. Eine Lungenentzündung also, die für mich besonders gefährlich war, weil mein Immunsystem durch eine chronische Erkrankung und durch Kortison schon geschwächt war. Wie ich später erfahren konnte, hing mein Leben am berühmten seidenen Faden. Auf dem Postschiff gab es leider keine ärztliche Hilfe, sodass meine Frau und ich auf einer Lofoteninsel vorzeitig an Land gehen mussten. Es war eine abenteuerliche Geschichte, die hier wiederzugeben den Rahmen sprengen würde. Aber ein besonderes Lob über die vorbildliche Betreuung in zwei norwegischen Krankenhäusern möchte ich an dieser Stelle doch noch loswerden. Schließlich wurde ich mit einem ADAC-Rettungsjet über 3000 Kilometer von vom norwegischen Bodö nach Luxemburg ausgeflogen und im Trierer Mutterhaus stationär und später ambulant  weiterbehandelt.

Ärztlicherseits wurde mir nach weiteren Untersuchungen wegen meines sehr geschwächten Immunsystems dringendst eine Pneumokokken-Schutzimfpung  empfohlen. Da dieser Impfstoff beim Hausarzt ausgegangen war, stellte dieser mir am 14. November 2016 das entsprechende Rezept aus. Den benötigten Impfstoff hatte ich damit aber noch lange nicht. Als es Wochen und gar Monate dauerte und meine Apotheke vergeblich versuchte, sich den Impfstoff auf Umwegen zu beschaffen, durfte ich erfahren, dass dieser für die Deutschen Pharma-Unternehmen ausschließlich im Billiglohnland Indien hergestellt wird und es noch Monate dauern könne, bis eine Charge nach Deutschland ausgeliefert werden könne. Ich saß auf heißen Kohlen, und es sollte bis Ende April 2017, also fast ein halbes Jahr dauern, bis ich endlich Ende April 2017 geimpft werden  konnte.

Es ist für mich noch einmal gut gegangen. Aber dass ich kein Loblied auf das schwerfällige wie bürokratische deutsche Gesundheitswesen  anstimme, wird jeder verstehen. Übrigens berichteten über diese besorgniserregenden Zustände 2016 und 2017 verschiedene Fernsehsender. Es geht letztlich nur um die Profite der Pharma-Industrie. Geändert hat sich wohl nichts.

Heinz Reifferscheid (Jahrgang 1941), Gönnersdorf